Berlin – Die erstmals vergebenen Pflegenoten haben in zahlreichen deutschen Pflegeheimen teils schlechte Zustände offenbart. Besonders in den Bereichen Pflege und Umgang mit Demenzkranken schnitten viele Einrichtungen schlecht ab, wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Donnerstag nach der Prüfung der ersten 1057 Pflegeheime mitteilten. Seit Juli werden Pflegeeinrichtungen nach neuen Vorgaben geprüft. Damit soll mehr Transparenz zur Qualität der Heime geschaffen werden.
Mehr als 700 der bis Mitte September geprüften 1057 Einrichtungen bescheinigten die MDK-Prüfer insgesamt „sehr gute“ oder „gute“ Noten. Die Gesamtnote „befriedigend“ erhielten 256 Heime. 73 Häuser bekamen dagegen in der Gesamtnote nur ein „ausreichend“, und zwölf waren sogar nur „mangelhaft“.
„Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reihe von Einrichtungen zum Teil deutliche Qualitätsdefizite hat und in die Verbesserung seiner Qualität investieren muss“, erklärte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).
Dieter Voß, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, sieht „eine hinreichende Qualität“ bei den Pflegeheimen. Dass bereits in den ersten Wochen die mangelhafte Qualität in zwölf Pflegeheimen aufgedeckt werden konnte, bestätige, „dass es gut und richtig war, mit den Pflegenoten konsequent auf Transparenz zu setzen“, erklärte er.
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Kritiker hatten mit einem solchen durchwachsenen Resultat gerechnet. Sie bemängeln, selbst schwere Defizite in einzelnen Bereichen könnten durch gute Noten bei anderen Kriterien ausgeglichen werden. Die Gesamtnoten fielen dadurch größtenteils positiv aus.
Der Geschäftsführer des MDK Rheinland-Pfalz, Gundo Zieres, rügte, es gebe nach wie vor „methodische Mängel“ und „fachliche Fehler“ an dem System. Schwarze Schafe könnten ihre Mängel verschleiern, während gute Einrichtungen in der Masse untergingen. Er forderte mehr Differenzierung bei der Bewertung und plädierte dafür, die Veröffentlichung der Noten vorerst auszusetzen.
Stattdessen solle ein unabhängiges Institut die früheren textbasierten Qualitätsberichte der Medizinischen Dienste mit den bisher vergebenen Noten vergleichen. Dann könne man sehen, wie nah die neuen Bewertungen an der Realität seien.
Volker Hansen, alternierender Vorsitzender des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen, räumte ein, dass das jetzige System „alles andere als optimal ist“: „Die eingeführten Pflegenoten sind ein Kompromiss, der auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der beteiligten Parteien beruht.“ Es sei aber richtig und wichtig gewesen, die Pflegenoten zügig einzuführen, sagte Hansen in Düsseldorf.
Friedrich Schwegler, Leiter des Fachbereichs Pflegeversicherung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Nordrhein, betonte, dass bei den bisherigen 300 Prüfungen stationärer Einrichtungen in Nordrhein nicht der befürchtete Einheitsbrei zustande gekommen sein: „In unseren Ergebnissen spiegelt sich das gesamte Spektrum der Noten wider.“ Schlechte Qualität würde auch als solche sichtbar. Die meisten Einrichtungen hätten bislang aber gute Ergebnisse erzielt.
Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte Nachbesserungen. Es gebe bei dem Notensystem zu viele und zum Teil wenig plausible Kriterien, die noch dazu falsch gewichtet würden. Die nun vorgelegten Resultate seien wie erwartet „verwirrend“ und „irreführend“.
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