Medizin

Jonglieren vermehrt weiße Hirnsubstanz

Montag, 12. Oktober 2009

Oxford – Das Erlernen neuer Fähigkeiten knüpft neue Nervenverbindungen im Gehirn. In einer Studie in Nature Neuroscience (2009; doi:10.1038/nn.2412) vermehrte ein sechswöchiges Jongliertraining die weiße Hirnsubstanz in einer Region des Parietallappens um nicht weniger als 5 Prozent. Dies war auch dann der Fall, wenn die Teilnehmer das Trainingsziel nicht erreichten.

Beim Jonglieren müssen visuelle Informationen und motorische Bewegungen sehr fein aufeinander abgestimmt werden, was ein intensives Training erfordert. Der Hirnforscher Jan Scholz vom Oxford Centre for Functional Magnetic Resonance Imaging of the Brain wollte wissen, ob dies sichtbare Spuren im Gehirn hinterlässt.

Er bediente sich dazu der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie (DTI). Sie misst die durch das Magnetfeld induzierten Diffusionsbewegungen von Wasser im Gewebe, die vor allem durch die Membranen der Nervenzellen, sprich die weiße Hirnsubstanz gehemmt wird.

24 junge und lernwillige Erwachsene wurden vor und nach einem Übungsprogramm untersucht, bei dem sie fünfmal die Woche täglich eine halbe Stunde das Jonglieren mit drei Bällen trainieren sollten. Am Ende war die weiße Hirnsubstanz im Bereich des intraparietalen Sulcus signifikant angestiegen.

Diese Region ist für die Koordination zwischen Wahrnehmung und motorischen Bewegungen zuständig, also genau für die Fähigkeiten, die beim Jonglieren trainiert werden. Eine Zunahme wurde übrigens auch bei jenen Probanden gemessen, die das Spiel mit den drei Bällen am Ende nicht beherrschten.

Ob sich die Erkenntnisse für die Rehabilitation von neurologischen Patienten nutzen lassen, ist offen. Die DTI ist ein indirektes Nachweisverfahren. Welche Veränderungen sich an den Zellmembranen abspielen, ist völlig unklar.

Der Hinweis der Forscher, Jonglieren könnte beispielsweise für Patienten mit multipler Sklerose nützlich sein, wirkt angesichts der autoimmunen Genese der Erkrankung ein wenig naiv. Er bedient das verbreitete Bedürfnis der Öffentlichkeit, die möglichst rasch einen praktischen Nutzen in Erkenntnissen der Grundlagenforschung sehen möchte, der sich allenfalls in längeren klinischen Studien belegen ließe. © rme/aerzteblatt.de

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