Winnipeg/Mexico City/Melbourne – Anlässlich des Jahreskongresses der European Society of Intensive Care Medicine warnen Kollegen aus Australien und Nordamerika davor, die Risiken der Schweinegrippe zu unterschätzen. Die Case-Fatality Rate bei schweren Erkrankungen ist hoch und auf dem Höhepunkt der Epidemie könnten die Ressourcen von Intensivstationen knapp werden.
Anzeige
Die meisten Infektionen an der Influenza A/H1N1 verlaufen zwar weiterhin milde, doch bei einer schweren Erkrankung kann es schnell und unaufhaltsam zum Tod des Patienten kommen. Als erste mussten dies Intensivmediziner in Mexiko erfahren, wo die Epidemie ihren Ursprung nahm.
An den sechs Kliniken des Landes, wo die meisten Intensivpatienten versorgt wurden, betrug die Sterblichkeit 41,4 Prozent, wie Guillermo Domínguez-Cherit, Mexico City, im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; doi: 10.1001/jama.2009.1536) berichtet.
Sie lag damit doppelt so hoch wie in Kanada, wo Anand Kumar vom St. Boniface Hospital in Winnipeg/Manitoba die Sterblichkeit mit 14,3 Prozent (JAMA 2009; doi: 10.1001/jama.2009.1496) angibt.
Dies mag ein Ausdruck der besseren Versorgungsqualität im wohlhabenderen Kanada sein, zumal die Patienten in beiden Ländern die gleichen Eigenschaften hatten: Es erkrankten überwiegend relativ gesunde Erwachsene, die nach einer relativ kurzen Prodromalphase in ein Lungenversagen rutschten, das eine Beatmung im Durchschnitt über 12 Tage erforderlich machte.
In beiden Ländern dauerte die erste Welle der Epidemie etwa drei Monate. Viele Erkrankungen konzentrierten sich jedoch auf den Zeitraum von wenigen Wochen, in denen die Intensivstationen schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gerieten. In Mexiko City starben vier Patienten auf der Warteliste für eine Intensivbehandlung. Ermutigend ist, dass in beiden Ländern das medizinische Personal nicht erkrankte und es gelang, eine nosokomiale Ausbreitung zu verhindern.
Ob es in den nächsten Monaten zu einem starken Anstieg der Erkrankungszahlen in Europa kommt, ist schwer vorherzusagen. Die Spitze der Epidemie könnte jedoch mit der Grippewelle durch die saisonale Influenza zusammenfallen. Diese Erfahrung haben Intensivmediziner aus Australien und Neuseeland bereits hinter sich, denn dort neigt sich die saisonale Grippesaison mit dem beginnenden Frühling dem Ende zu.
Auch dort verlief die Infektion mit der Schweinegrippe bei den meisten Erkrankten milde. Die Australian and New Zealand Intensive Care Society Clinical Trials Group (ANZICS CTG) registrierte in den Wintermonaten Juni bis August nur 722 Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden mussten. Nach den Angaben von Ian Seppelt vom Nepean Hospital in Sydney betrug die Sterblichkeit wie in Kanada 14,3 Prozent (New England Journal of Medicine 2009; doi: 10.1056/NEJMoa0908481).
Auffallend war ein hoher Anteil von 64,5 Prozent der Patienten, die – über eine mittlere Dauer von 8 Tagen – beatmet werden mussten. Einige Zentren setzten alternativ eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ein, eine Minimalversion der Herz-Lungenmaschine, die den Patienten mit Lungenversagen die Beatmung erspart.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.