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Erlanger Wachkoma-Baby war ein Wunschkind

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Erlangen – Das in Erlangen von einer Wachkoma-Patientin entbundene Baby war nach den Worten der behandelnden Ärzte ein Wunschkind der Mutter. Dieses Wissen aus dem Umfeld der Frau sei ausschlaggebend dafür gewesen, alles dafür zu tun, dass die 41-Jährige ein gesundes Kind bekomme, erklärte der Direktor der Uni-Frauenklinik Erlangen, Matthias Beckmann, am Mittwoch. Zusammen mit dem klinischen Ethikkomitee hätten sich die Ärzte daher für eine Maximalversorgung entschieden. 

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Die Frau, bereits Mutter zweier Kinder, hatte in der 13. Schwangerschaftswoche einen Infarkt mit Herzkreislaufstillstand erlitten. Am 24. Dezember 2007 wurde sie nach Erlangen verlegt und gebar dort in der 35. Schwangerschaftswoche im Frühjahr 2008 einen gesunden Jungen.

Dies sei angesichts des Zustands der Frau in der Wissenschaftswelt außergewöhnlich, sagte Beckmann weiter. Seit den 70er-Jahren seien knapp 30 Fälle von Schwangeren mit Hirntod oder Koma veröffentlicht worden. Die meisten Schwangerschaften hätten mit Misserfolgen oder Frühgeburten geendet, teilweise mit ernsten Schädigungen des Kindes. 

Die Patientin sei „nicht die Schwangere, die man sich wünscht“, erklärte Beckmann weiter. Die mehr als 100 Kilo schwere Frau hätte nur noch eine Herzleistung von 25 Prozent gehabt, 40 Prozent des Herzmuskels seien zerstört. Lediglich der Hirnstamm sei noch intakt gewesen. Zudem sei die Frau Diabetikerin und starke Raucherin gewesen. Solchen Frauen würde man von einer Schwangerschaft „dramatisch abraten“. 

Ethisch sei deshalb zu klären gewesen, ob trotz des Risikos einer Verschlechterung ihres Zustandes die Behandlung aufgenommen würde. Zugleich habe die Diskussion im Ethikkomitee ergeben, auf Pränataldiagnostik zu verzichten.“ „Der Wille der Mutter stand an höchster Stelle“, sagte Beckmann. Ultraschall- und Kernspintomografieuntersuchungen hätten jedoch ergeben, dass das Kind sich im Mutterleib normal entwickle. 

Angehörige waren für die Klinikverantwortlichen nicht ausfindig zu machen. Der Vater der weiteren Kinder ist verstorben. Diese hätten jedoch die Mutter mehrfach im Krankenhaus besucht. Sie seien psychologisch betreut worden. Der Lebenspartner und wahrscheinliche Kindsvater sei ebenso in die Entscheidungen einbezogen worden. 

Der gesunde, eineinhalb Jahre alte Junge lebt wie seine Geschwister mittlerweile in der Obhut des Jugendamtes. Der Lebenspartner könne sich aus beruflichen und finanziellen Gründen um das Kind nicht kümmern. Die Wachkomapatientin sei zwölf Tage nach der Geburt in ein Heim verlegt worden. Sie lebe noch, aber es gehe ihr nicht gut, so Beckmann. © kna/aerzteblatt.de

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