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Medizin

Ärzterotation als Sicherheitsrisiko für Patienten

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Genf – Die einmal im Jahr in Lehrkrankenhäusern übliche Rotation von Ärzten geht mit einer erhöhten Rate von Behandlungsfehlern einher. Dies geht aus einer retrospektiven Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3974) hervor.

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In angelsächsischen Ländern wird das Problem seit längerem offen diskutiert. In den USA spricht man dezent vom „Juli-Phänomen“, in Großbritannien ist mit einer landesüblichen Vorliebe für drastische Pointierungen auch von der „August killing saison“ die Rede.

Sie beschreibt die Risiken der jährlich stattfindende Ärzterotation an den Lehrkrankenhäusern. In der Regel zu Beginn des akademischen Jahres treten nicht nur unerfahrene Ärzte ihre erste Stelle an. Auch die bereits tätigen Ärzte wechseln in andere Bereiche, wie dies  die Weiterbildungsordnungen vorsehen.

Dies sorgt jedes Jahr für organisatorische Verwirrung und möglicherweise auch zu Fehlhandlungen, deren Leidtragender schnell der Patient werden kann. Das Ausmaß lässt sich in der Anästhesie mit ihrem überschaubaren Arbeitsgebiet und dem strukturierten Abläufen vielleicht am besten untersuchen.

Erleichtert wird dies durch die Transparenz im Umgang mit Behandlungsfehlern, die Anästhesisten der Universität Melbourne nach jeder Narkose detailliert in den elektronischen Krankenakten notieren müssen.

Guy Haller von der Universität Genf hat die Daten jetzt mit dem Beginn des akademischen Jahres in Beziehung gesetzt. Tatsächlich ließ sich nach der Rotation eine um 40 Prozent erhöhte Rate von „unerwünschten Ereignissen“ nachweisen (adjustierte Rate Ratio 1,40; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24-1,58).

Sie war übrigens keineswegs auf die Neueinsteiger beschränkt. Auch in den Folgejahren der Weiterbildung kommt es nach dem Wechsel auf eine neue Position zu Fehlern. Sie betrafen vor allem zentrale und periphere Nervenverletzungen (relativer Unterschied: 82 Prozent), eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Patienten (66 Prozent), Erbrechen/Aspiration im OP-Saal (53 Prozent) sowie technische Probleme beim Intubieren (49 Prozent).

Am häufigsten waren die „unerwünschten Ereignisse“ im ersten Monat. Es kann jedoch bis zu 4 Monate dauern, bis sich die Ärzte in ihrem Betätigungsfeld eine Routine entwickelt haben. Wie das Problem gelöst werden kann, ist unklar. Haller rät zu einer sorgfältigen Einarbeitung der neuen Ärzte und einer intensivierten Supervision bei den erfahrenen Kollegen nach jeder Rotation. © rme/aerzteblatt.de

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jetfriend
am Montag, 19. Oktober 2009, 20:19

naja, nun gleich

den Primarius (=Chefarzt), dass wäre mir dann für meine Hernie doch zuviel der Ehre (und Gefahr für Nachbarstrukturen im can.ing. ;-)))

Allerdings zeigt sich darin auch ein Nachteil des verschulten Systems der angloamerikanischen Länder. Insbersondee deutsche Anästhesisten werden früh ins Wasser geworfen. Und an einer Intubation ist (mal von wenigen Ausnahmen, wie Sectio-narkosen, HNO etc., aber dazu gibts ja spezielle Ausbildungsabschnitte) egal, ob ich diese für eine Galle, Hernie oder oder mache. Eine unzureichende Sauerstoffversorgung oder gar eine Aspiration sollten in den Grundzügen bereits innerhalb des ersten Ausbildungsjahres verhindert werden können, Atemwegssichwerung ist das Grundelement des Anästhesiten. Komplizierte Blöcke stechen kommt später. Das mit den nervenverletzungen lässt ebenfalls auf Ausbildungsdefizite schliessen - see one , do one, teach one ist eben doch nicht immer gut. Flächendeckender einsatz von nervenstimulatoren, Risikoadaptation bei zentralvenösen Zugängen plus ggf. Sono-Guide bei Risikopatienten (ich erinnere mich an die Anästhesie-Anatomie-Kurse der Fu berlin Mitte der neunziger Jahre).

Ich spreche aus der Erfahrung von 4 großen miteleuropäischen KH, auch als Ausbilder, Supervisor.
Grosswardeyn
am Montag, 19. Oktober 2009, 17:20

Berufsanfänger = Gefahr

Es ist eine jahrhundertalte deutsche Fehlentwicklung, dass der Patient zuerst vom am wenigsten erfahrenen Arzt untersucht wird, der dann dem Erfahrenen referiert. Wo bleibt hier die hippokratreische Lehre?
Gerade umgekehrt sollte man dies tun, wobei der Berufsanfänger beisitzen und Fragen an den Primarius stellen könnte.
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