Palliativmedizin: Dialyse kann Lebensqualität verschlechtern
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Palo Alto – Eine Dialysebehandlung lässt bei multimorbiden, älteren Pflegeheimbewohnern häufig keine lebensverlängernde Wirkung mehr erwarten. Nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2009; 361: 1539-1547) muss sogar mit einem beschleunigten Verlust der Fähigkeiten gerechnet werden, Tätigkeiten des alltäglichen Lebens zu verrichten.
Anzeige
Die Prognose von US-Pflegeheimbewohnern, die wegen eines chronischen Nierenversagens im Endstadium dialysepflichtig werden, ist nicht besser als die von Krebskranken. Mehr als jeder Zweite (59 Prozent) stirbt innerhalb eines Jahres nach Beginn der Dialyse. Hinzu kommt mehr als ein weiteres Viertel (29 Prozent), bei dem sich der funktionelle Status verschlechtert.
Nur 13 Prozent der Patienten können ihren fragilen Gesundheitszustand über 12 Monate halten, wie eine Analyse der United States Renal Data System (USRDS) zeigt, die Manjula Kurella Tamura von der Stanford Universität in Palo Alto durchgeführt hat.
Diese Datenbank registriert in den USA praktisch alle Dialyse-Patienten. Die Analyse umfasst zwar nur jene Patienten, für die Daten zum funktionellen Status aus der Zeit vor und nach dem Dialysebeginn vorlagen, und es gibt keine Kontrollgruppe, sodass offen bleibt, ob es den Patienten ohne Dialyse nicht noch schlechter ergangen wäre. Die Daten zeigen aber, dass der Beginn der Dialyse mit einem “Knick” in der Lebensqualität verbunden ist.
Die Nachteile der Dialyse, etwa die dreimal wöchentlichen Transporte in die Behandlungszentren oder auch die Hospitalisierung aufgrund von Dialyse-Komplikationen, könnten bei vielen Menschen die Vorteile der Dialyse mehr als aufwiegen, meint auch der Editorialist Mark Zeidel vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston (NEJM 2009; 361: 1597-1598).
Er gibt zu bedenken, dass eine Dialyse bei multimorbiden Menschen nicht unbedingt die Lebenserwartung erhöht, da viele Patienten nicht an der Urämie, sondern an anderen Erkrankungen sterben. Der Verzicht auf die Dialyse käme deshalb nicht automatisch einer „Todesstrafe“ gleich, auch wenn dieses Denken bei vielen Medizinern, Patienten und Angehörigen verbreitet sei.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
„Die Daten zeigen aber, dass der Beginn der Dialyse mit einem “Knick” in der Lebensqualität verbunden ist.“ - - - eine WICHTIGE Studie mit überraschenden Erkenntnissen, wie man sofort sieht. Ich wusste auch noch gar nicht, dass zumindest ein Teil der Patienten nur so zum Spaß dialysiert wird, obwohl sie auch gut „ohne“ auskommen könnten – denn offenbar kann man ja auch ohne Nierenfunktion weiterleben – und dann ohne diesen bösen „Knick“ in der Lebensqualität ? An das viele Kalium oder das Wasser in der Lunge kann man sich wohl gewöhnen ? Naja – trotzdem: Eine Kontrollgruppe wäre ja schon interessant gewesen … oder konnte man die etwa aus ethischen Gründen nicht kreieren ? Dann existiert allerdings auch die ganze Fragestellung eigentlich nicht. Hmmm – so ein Wissenschaftler hat’s schon nicht leicht ! Und dann muss er auch noch darüber schreiben.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.