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Medizin

Paracetamol könnte Impferfolg beeinträchtigen

Freitag, 16. Oktober 2009

Hradec Kralove – Die Gabe von Paracetamol kann zwar den Temperaturanstieg mildern, zu dem es nach einer Impfung von Kindern häufig kommt. Nach einer im Lancet (2009; 374: 1339-50) publizierten Studie schwächt das Antipyretikum jedoch gleichzeitig die Antikörperantwort, was auf eine verminderte Schutzwirkung der Impfung hinweisen könnte.

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Die vorsorgliche Gabe von Paracetamol ist in einigen Ländern nicht nur weit verbreitet, in Australien und Nordamerika (in den USA nur bei Kindern mit erhöhtem Risiko auf Fieberkrämpfe) wird sie sogar empfohlen, auch wenn die Evidenz, dass dadurch die von den Eltern befürchteten Fieberkrämpfe bei den Kindern vermieden werden, gering ist, wie Roman Prymula von der Universität der tschechischen Streitkräfte in Hradec Kralove, dem früheren Königsgrätz, und Mitarbeiter berichten.

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Ein Gegentand der randomisierten (allerdings nicht verblindeten) Studie war deshalb der Einfluss einer prophylaktischen Paracetamolgabe auf die Fieberreaktion nach den im Kindesalter üblichen Impfungen. Kinder aus zehn Zentren der Tschechischen Republik erhielten per Zufallsverfahren entweder alle 6 bis 8 Stunden innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Impfung drei vorbeugende Paracetamol-Gaben (226 Kinder) oder kein Paracetamol (233 Kinder).

Tatsächlich konnte die Zahl der Kinder, die Temperaturen von 38° Celsius oder höher entwickelten, von 66 Prozent in der Kontrollgruppe auf 42 Prozent gesenkt werden. Ähnliche Ergebnisse wurden nach den Auffrischungsimpfungen beobachtet (58 vs. 36 Prozent).

Die Studie zeigte aber auch, dass Paracetamol die Antikörperreaktion auf die Impfung verminderte. Die geometrischen Mittelwerte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) lagen in der Paracetamol-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe.

Dies galt für die Antikörper gegen Pneumokokken-Serotypen, Haemophilus influenzae Typ B, Diphtherie und Tetanus-Toxoide, wie auch für einen Keuchhusten-Antikörper. Auch nach den Auffrischungsimpfungen fanden sich die niedrigeren Antikörper-GMCs bezüglich der Tetanus-Toxoide und der meisten Pneumokokken-Serotypen in der Paracetamol-Gruppe.

Prymula und Mitarbeiter empfehlen deshalb, Kindern vor einer Impfung keine fiebersenkenden Mittel zu verabreichen. Argumente hierfür lieferte auch eine Literaturrecherche, bei der Prymula zehn weitere Studien fand, in denen sich Paracetamol störend auf die Immunreaktionen auswirkte. Der Einfluss war dabei am stärksten, wenn das Antipyretikum prophylaktisch gegeben wurde. Wurde das Medikament dagegen nur therapeutisch eingesetzt, wenn Fieber und entsprechende entzündliche Signale bereits eingesetzt hatten, war der Effekt (wenn überhaupt vorhanden) schwächer.

Doch in welchem Maße die verminderte Antikörperreaktion den Impferfolg beeinträchtigt, lässt sich schwer abschätzen. Der Kommentator Robert Chen von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta vermutet, dass der Einfluss gering ist (Lancet 2009; 374: 1305-1306). Schließlich sind die meisten Impfungen erfolgreich.

Eine kritische Situation könnte bei den Impfungen gegen Haemophilus influenzae und Pneumokokken bestehen, da hier höhere und nachhaltigere Antikörperkonzentrationen notwendig sind, um einen Träger-Status der Geimpften zu unterbrechen und Übertragungen in der Bevölkerung zu verringern. © rme/aerzteblatt.de

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polmu
am Donnerstag, 22. Oktober 2009, 22:50

da verliert sich doch

Bei den vielen "möglicherweise - vielleicht - unter Umständen - weiss nicht so genau - ..." verliert sich doch die evidence ganz schnell zwischen dem galenischen Dunkel und der Mystik der Alraune. Richtige Wissenschaft halt!!!
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