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Alternativkonferenz zum World Health Summit: „Wir brauchen keinen neuen Club“

Montag, 19. Oktober 2009

Berlin – Weil es beim Weltgesundheitsgipfel ihrer Ansicht nach nur randständig um die globale Gesundheit ging, hat ein Bündnis von 20 gesundheits- und entwicklungspolitischen Organisationen sowie Gewerkschaften am vergangenen Freitag einen Gegengipfel veranstaltet.

Beim World Health Summit habe sich ein elitärer Kreis von Machern zusammengefunden, dem es in erster Linie darum gehe, wie Forschung und private Gesundheitswirtschaft zur Verbesserung individueller Versorgung beitragen können, hieß es. Die sozialen Ursachen von Krankheit spielten dort ebenso wenig eine Rolle wie das Recht aller Menschen auf Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Der Gipfel sei im Grunde eine private Veranstaltung auf Initiative zweier Universitäten, der Charité Berlin und der Université Descartes Paris, und nicht öffentlich legitimiert: „Wir brauchen aber keinen neuen Club. Wir haben die Weltgesundheitsorganisation“, erklärte der Geschäftsführer von medico international, Thomas Gebauer, einer der Initiatoren der Alternativkonferenz. Deshalb sei man auch mit dem Titel „World Health Summit“ nicht einverstanden. 

Ein Weltgesundheitsgipfel, der diesen Namen verdiene, müsse das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Partizipation als Grundvoraussetzung für Gesundheit in den Vordergrund stellen und eine Forschung fördern, die an den Gesundheitsbedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, heißt es unter anderem in der gemeinsamen Erklärung der Alternativkonferenz.

Noch immer könne sich ein Drittel der Weltbevölkerung nicht einmal lebensnotwendige Arzneimittel leisten. Rund 90 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung entfielen auf Arzneimittel, die zehn Prozent der Bevölkerung benötigten. Von 1.500 neuen Wirkstoffen, die zwischen 1975 und 2004 entwickelt worden seien, wirkten lediglich 18 gegen Tropenkrankheiten und drei gegen Tuberkulose, führte Christian Wagner-Ahlfs von der Buko Pharmakampagne aus. Er kritisierte, dass insbesondere die Arzneimittelforschung rein kommerziell ausgerichtet sei.

„Gesundheit ist ein öffentliches Gut und Menschenrecht, das sich schlecht mit Kommerzialisierung verträgt“, erklärte dazu medico-Geschäftsführer Gebauer. Forschung dürfe nicht der Förderung von Partikularinteressen dienen. Auch die Universitäten könnten mehr tun, um die derzeitige Lage zu verbessern und ihre Forschung stärker auf den Bedarf ausrichten, „statt der Industrie hinterherzulaufen“. 

Doch bei aller Kritik gab es auch Zeichen der Gesprächsbereitschaft. Der Präsident des World Health Summit,  Detlef Ganten von der Charité, lud die Teilnehmer des Alternativkongresses ein, sich am 2. Weltgesundheitsgipfel vom 10. bis 13. Oktober 2010 zu beteiligen. Bei einem kurzen Auftritt vor dem Gegengipfel räumte er ein: „Die Konferenz ist nicht perfekt.“ Sie sei nicht bunt, nicht global genug. Aber: „Lassen Sie uns gemeinsam den besten Weg suchen.“ 

Ob das gelingt ist noch fraglich. Denn die Kritiker störte nicht nur das ihrer Ansicht nach relativ einseitige Kongressprogramm. Es störte sie vor allem die gut sichtbare Präsenz der Pharmaindustrie, die den Weltgesundheitsgipfel mit finanziert hat. © hk/aerzteblatt.de

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