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Politik

Hospiz Stiftung begrüßt geplantes Verbot von Suizidbeihilfe

Montag, 19. Oktober 2009

Berlin – Die Deutsche Hospiz Stiftung hat ein von der künftigen schwarz-gelben Bundesregierung geplantes Verbot kommerzieller Beihilfe zur Selbsttötung als „mutige Entscheidung“ gelobt. „Dass dem Tod aus den Gelben Seiten endlich ein Riegel vorgeschoben werden soll, ist ein wichtiger Schritt“, sagte der Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch, am Sonntag in Berlin. Nun gehe es darum, die Einigung der Arbeitsgruppe Innen- und Rechtspolitik auch in den Koalitionsvertrag einzuarbeiten.

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Brysch betonte, das geplante Verbot umfasse sowohl die kommerzielle Suizidbeihilfe im eigentlichen Sinn als auch eine wiederholte Hilfe zur Selbsttötung etwa durch ehrenamtliche Mitarbeiter von Sterbehilfeorganisationen. Der Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung widersprach damit auch einer Erklärung des umstrittenen früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch.

Dieser hatte am Samstag die Pläne von FDP und Union als Sieg für das grundgesetzlich verbürgte Selbstbestimmungsrecht gefeiert. Das beabsichtigte Verbot kommerzieller Beihilfe zur Selbsttötung beziehe sich nicht auf die „organisierte Sterbehilfe“. Damit seien Organisationen nach dem Vorbild der schweizerischen Vereinigungen Dignitas oder Exit auch in Deutschland rechtlich weiterhin zulässig.

Bis 2008 hatte Kusch nach eigenen Angaben fünf Menschen gegen Zahlung von jeweils 8.000 Euro beim Suizid geholfen. Im Februar dieses Jahres kündigte Kusch nach einem Urteil des Hamburger Verwaltungsgerichts an, keine Beihilfe zur Selbsttötung mehr zu leisten. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Dienstag, 20. Oktober 2009, 09:28

Aktive Sterbehilfe – ein Gnadenakt (!?)

"Käme ich in eine solche aussichtslose, quälende Situation, würde ich mir mit dem Bewußtsein von heute wahrscheinlich wünschen, dass sich meiner jemand erbarmt."

Quelle: Berliner Morgenpost, Leutheusser-Schnarrenberger für Zulassung der aktiven Sterbehilfe, Dienstag, 10. Juni 2008 - v. J. Peter >>> http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article355957/Leutheusser_Schnarrenberger_fuer_Zulassung_der_aktiven_Sterbehilfe.html <<< (html)

Auch wenn der FDP-Vorsitzende Westerwelle seinerzeit zugleich anmerkte, dass er über diese grundsätzliche Frage noch einige Zeit nachdenken möchte, ist doch sein Statement klar und unmissverständlich. Es gibt Grenzsituationen, in denen die aktive Sterbehilfe sich als ein Akt höchster Humanität darstellt und in den kommenden Debatten sollten wir Obacht geben, dass das Selbstbestimmungsrecht auf einen selbstbestimmten Tod nicht dauerhaft versenkt wird.

Diesbezüglich könnte es Sinn machen, sich den Thesen und Beschlüssen des 66. Deutschen Juristentages zu erinnern.
Eine gute Übersicht über den Meinungsstand findet sich auf der Webseite der InteressenGemeinschaften Kritische Bioethik Deutschland unter dem nachfolgenden Link >>> http://www.sterbehilfe-debatte.de/sterbehilfe-debatte_juristentag-sterbehilfe-24-09-06.html <<< (html)

Es bedarf keiner großen Propheterie, dass neben der BÄK zugleich auch die Deutsche Hospiz Stiftung zu den Kritikern der Beschlüsse des DJT und dem Grundsatzreferat des Bonner Strafrechtlers Th. Verrel zählten. Dies hindert allerdings nicht, die Debatte um die ärztliche Assistenz beim Suizid erneut auf die Agenda zu setzen, zumal seinerzeit bereits die Argumente sowohl der BÄK als auch der Deutschen Hospiz Stiftung nicht zu überzeugen vermochten. Dies war und ist ganz maßgeblich der Verkennung vom Grund und der Reichweite des grundrechtlich verbürgten Selbstbestimmungsrechtes geschuldet und da ganz aktuell zunächst „nur“ über ein Kommerzialisierungsverbot diskutiert wird, steht gleichwohl zu befürchten an, dass insgesamt die Sterbehilfe weiter tabuisiert und ggf. mit weiteren Sanktionen belegt werden soll.

Es bleibt zu hoffen, dass nach 60 Jahren Grundgesetz unsere Bürgerinnen und Bürger nicht darauf angewiesen sind, dass unsere fortschrittlichen europäischen Nachbarn ihre „Grenzen“ offen lassen und so uns weiterhin die Möglichkeit zum selbstbestimmten Sterben eröffnen.

Nachdenklich muss insbesondere stimmen, wenn der Geschäftführer der Deutschen Hospiz Stiftung meint, dass allen Machenschaften mit der Not von lebensmüden Menschen … ein Riegel vorgeschoben werden (müsse)
(Quelle: beck aktuell >>> http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?docid=291412&docClass=NEWS&site=Beck%20Aktuell&from=HP.10 )

Was im Einzelnen hierunter zu verstehen ist, bleibt zunächst eine noch offene Frage. Vielleicht denkt man/frau bereits darüber nach, den kritischen Diskurs durch Denk- und Sprachverbote zu unterbinden; dies könnte ja insofern Sinn machen, weil renommierte Wissenschaftler sich des Problems angenommen haben und insofern aus wissenschaftlicher Perspektive mit guten Argumenten dafür eintreten, die ärztliche Assistenz beim Suizid zu liberalisieren – auch ein Aspekt, der unter die „Machenschaften“ zu subsumieren wäre?

Dass die ärztliche Assistenz beim Suizid hierzulande weiterhin mit einem Tabu belegt werden soll, ist mehr als ärgerlich und da scheint es angeraten zu sein, konsequenter als bisher für die Liberalisierung der ärztlichen Assistenz beim Suizid zu werben! Es wird den konservativen Kräften in unserem Lande wohl kaum gelingen, dass künftig das Eintreten für einen gebotenen Grundrechtsschutz unter „Strafe“ gestellt wird oder den Befürwortern einer ausgewogenen Regelung die „öffentliche Plattform“ genommen wird.
adonis
am Dienstag, 20. Oktober 2009, 07:55

Wir brauchen kein Verbot der kommerziellen Beihilfe zur Selbsttötung.

Da das bedeuten würde, dass nun alle meinen, dass nicht-kommerzielle Beihilfen zur Selbsttötung erlaubt sind.
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