Berlin – Die Medizin braucht einen Paradigmenwechsel, weg von der reinen Krankheitsbehandlung hin zu einem Gesundheitsmanagement. Dies ist ein Ergebnis des Weltgesundheitsgipfels, der am vergangenen Sonntag zu Ende ging. Fünf Tage lang diskutierten mehr als 700 international führende Vertreter aus der medizinischen Forschung und der Gesundheitsversorgung aus mehr als sechzig Ländern über aktuelle Probleme der Gesundheitssysteme.
„Wir stehen vor enormen medizinischen und strukturellen Herausforderungen“, bekräftigte Detlef Ganten, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Charité Berlin und Präsident des Weltgesundheitsgipfels, bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Summits.
Keiner der Akteursgruppen könne diese alleine meistern. Daher sei besonders eine fachübergreifende Diskussion notwendig, bei der auch nicht immer alle gleicher Meinung seien. Worauf man sich jedoch einigen konnte: Prävention müsse in der Medizin eine bedeutendere Rolle spielen.
„Wir brauchen eine ganz neue Vorstellung von der Beziehung zwischen Arzt und Patient“, betonte Nobelpreisträger Luc Montagnier. Der Patient müsse über seine Gesundheit informierter sein und im Mediziner einen Partner haben, der ihn zu Risiken und Vorsorge fundiert beraten könne. Ganten ergänzte: „Hierzu brauchen wir einen grundlegenden Kurswechsel in Erziehung und Bildung. Gesundheitserhaltung muss schon im Kindesalter gelernt werden.“
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Michel Kazatchkine, Direktor des Global Fund, sprach die Finanzierungsprobleme der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern an. „Lange war man überzeugt, durch wirtschaftliches Wachstum erreiche man auch die Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Aids hat uns gezeigt, dass wir den Fokus auf die Gesundheit verschieben müssen“, sagte er.
Doch durch die Weltwirtschaftskrise werde es schwieriger, Medikamente für die armen Länder zu finanzieren. Zum ersten Mal kann der Global Fund seine Mission aufgrund mangelnder Gelder nicht erfüllen und muss Projekte um ein Jahr verschieben. Helfen könnten hier nur öffentlich-private Kooperationen oder innovative Finanzierungsmodelle, wie die „Product Red“-Initiative. Werden Waren mit diesem Logo gekauft, wird ein Teil des Herstellergewinns an den Global Fund gespendet.
Victoria Hale, Gründerin des Institute for OneWorld Health, dem ersten Non-Profit-Pharmaunternehmen in den USA, wies darauf hin, dass das größte Problem die Verteilung der Medikamente sei. Die vorhandene Infrastruktur sei häufig nicht ausreichend, um jeden einen problemlosen Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen.
Der Summit-Präsident Ganten zieht insgesamt ein positives Fazit: „Wir haben einen guten Eindruck davon bekommen, wo die Probleme liegen, und was wir dagegen machen können.“ Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte er den nächsten World Health Summit an, der vom 10. bis 13. Oktober 2010 in Berlin stattfindet.
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