Hannover – Die wegen Totschlags in 13 Fällen in Hannover vor Gericht stehende Ärztin hat zum Prozessauftakt die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die 59-Jährige räumte am Dienstag allerdings vor dem Landgericht Versäumnisse „bei der medizinischen Dokumentation“ ein.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, als Belegärztin an einer Klinik in Langenhagen 13 Patienten zu hohe Dosen des Schmerzmittels Morphin und anderer starker Medikamente verabreicht und so deren Tod verursacht zu haben.
Sie widerspreche „entschieden allen vorgetragenen Anschuldigungen“, sagte die Angeklagte unter Tränen vor Gericht. In keinem der 13 Fälle sei über die Gabe von Morphin und anderen Medikamenten der Tod „verursacht oder beschleunigt““worden.
Jeder der Patienten habe sich in der letzten Lebensphase befunden. Die Therapien mit Morphin und Diazepam seien „medizinisch indiziert“ gewesen. Sie fügte hinzu: „Bei keinem meiner Patienten habe ich den Tod bewusst herbeigeführt oder gewollt.“ Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien „unvorstellbar und haltlos“.
aerzteblatt.de |
Die Verteidigung rügte zu Prozessbeginn die „Verfassungswidrigkeit“ der unangemessen langen Verhandlungsdauer in dem Fall. Anwalt Matthias Waldraff sagte, es handele sich nicht „um ein faires und rechtsstaatliches Verfahren“. So habe der Gutachter der Staatsanwaltschaft, Michael Zenz, jahrelang für die Erstellung von medizinischen Gutachten benötigt und „massiv gegen das prozessuale Beschleunigungsgebot verstoßen“.
In dem ersten Prozess hatte die Verteidigung bereits einen Antrag auf Befangenheit gegen Zenz gestellt. Darauf werde man dieses Mal verzichten, um den Prozess nicht weiter in die Länge zu ziehen, sagte Waldraff. Er stellte allerdings den Antrag, Zenz und Oberstaatsanwältin Dietzel-Gropp als Zeugen in dem Verfahren zu laden, um die Gründe für die lange Verzögerung aufzuklären.
Der Prozess hatte schon im Februar 2008 begonnen, war aber nach rund 20 Verhandlungsterminen wegen der schweren Erkrankung eines Richters abgebrochen worden. Am Dienstag begann die Verhandlung gegen die Ärztin komplett neu. Mit einem Urteil wird nicht vor Mitte 2010 gerechnet.
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