Köln – In Deutschland gibt es zu wenige versorgungsnahe klinische Studien, nachdem ein Medikament oder ein Medizinprodukt die Zulassung erhalten hat. Das kritisiert das Netzwerk der Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS-Netzwerk). Es fordert deshalb ein Umdenken in der klinischen Forschungskultur.
Das KKS-Netzwerk appelliert an Politik, Gesundheitswirtschaft und Wissenschaft, die finanziellen, regulatorischen und logistischen Voraussetzungen für eine dringend gebotene Versorgungsforschung zu schaffen. „Versorgungsnahe Studien sind für eine wesentliche Verbesserung der Erkenntnislage, die Sicherheit der Therapie und eine gesundheits-ökonomische Optimierung der Behandlung unverzichtbar“, betont Markus Löffler, Sprecher des Vorstands im KKS-Netzwerk.
Nach Angaben des Netzwerkes ist der Nutzen einer therapeutischen Intervention nach der Zulassung nur unvollständig bekannt. Ärzte hätten oft keine Vergleichsdaten für Behandlungsalternativen. Zudem wüssten sie zu wenig über Wirksamkeit und Nutzen in der breiten medizinischen Anwendung.
Das betreffe nicht nur seltene Erkrankungen, sondern auch Volkskrankheiten wie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder des Verdauungssystems. Infolge der Unkenntnis unterbleibt laut KKS-Netzwerk oft die optimale Behandlung oder es werden unnötige Risiken eingegangen.
Deshalb fordert Löffler: „Aufbauend auf den für die Zulassung erhobenen Daten an ausgewählten Patientengruppen müssen dringend weitere klinische Studien mit einer viel breiter gefassten Patientenpopulation erhoben werden.“
Mit der derzeitigen öffentlichen Projektförderung ließe sich dies aber nur in Bruchteilen realisieren. Deshalb sei es wichtig, alle Partner im Gesundheitssystem in die Pflicht zu nehmen.
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