Seattle – Erstmals ist es in einer Studie gelungen, jugendliche Raucher durch Telefonanrufe zur Abstinenz zu bewegen. Die Hutchinson Study of High School Smoking im Journal of the National Cancer Institute (JNCI doi: 10.1093/jnci/djp317) wird von den Krebsexperten als Durchbruch gewertete, auch wenn die Ergebnisse sich eher bescheiden ausnehmen.
Die meisten Raucher werden bereits als Jugendliche abhängig. Die Tabakindustrie hat die Motive und Mechanismen, die zur Sucht führen, längst erkannt. Die Tabakwerbung ist heute weitgehend auf Jugendliche mit ihrem Drang nach Unabhängigkeit und einer eigenen individuellen Persönlichkeit ausgerichtet. Zudem ist die Adoleszenz eine Lebensphase, in welcher die Jugendlichen für Präventionsprogramme nur sehr schwer erreichbar sind.
Mahnungen und Verbote fruchten in der Regel nicht, weshalb Arthur Peterson vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle und Mitarbeiter bei der Planung ihrer Studie sehr sorgfältig vorgingen. Die Anrufer, die die Jugendlichen telefonisch kontaktieren sollten, wurden gleich in zwei Fähigkeiten geschult.
Sie lernten die Technik des Motivational Interviewing (MI), die ursprünglich zur Beratung von Alkoholikern entwickelt wurde und die den Angesprochenen, hier den jugendlichen Raucher, in den Mittelpunkt stellt und einen allzu direktiven Stil vermeidet.
So werden vorsichtig die persönlichen Trigger für den Griff zur Zigarette erfragt, um dann mittels der zweiten Technik, der kognitiven Verhaltenstherapie, Ansätze für eine Abstinenz zu finden. Die Sorgfalt, mit der die “Berater” ausgebildet wurden, gilt als wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Intervention.
Für die Studie wurden 50 staatliche Highschools ausgewählt. Unter den Elftklässlern (“juniors”) wurden per Umfrage die Raucher ermittelt. Nur in der Hälfte der Schulen wurden die Raucher mit ihrem Einverständnis und der Erlaubnis der Eltern später von der Beratern telefonisch kontaktiert. Der erste Erfolg, den Peterson vermelden kann, ist, dass fast 90 Prozent der Jugendlichen die Anrufe akzeptierten und sich am Programm beteiligten. Am Ende des Jahres, die Schüler waren jetzt im letzten Schuljahr, hatten es 21,8 Prozent geschafft, sechs Monate nicht zu rauchen.
In der Kontrollgruppe, wo die üblichen Informationen über die Gefahren des Rauchens ausgegeben wurden, hatten dies nur 17,7 Prozent geschafft. Dies ergibt zwar eine Differenz von nur 4 Prozent, doch nach Auskunft der Editorialisten Scott Leischow und Eva Matthews von der Universität in Tucson/Arizona ist es das erste Mal, dass eine Intervention in einer Studie die Abstinenz der Jugendlichen gefördert hat (JNCI 2009; doi: 10.1093/jnci/djp333).
Erfreulich ist sicherlich auch, dass der Anteil der täglichen Raucher ebenfalls um 4,2 Prozent (von 10,1 auf 5,9 Prozent sank). Hier war die Wirkung allerdings auf die Jungen beschränkt. Bei Mädchen wurden die besten Ergebnisse bei gelegentlichen Raucherinnen erzielt.
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