Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin verzeichnet wenige Tage vor Beginn der größten Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik einen Anstieg der gemeldeten Schweinegrippe-Fälle.
Wie RKI-Präsident Jörg Hacker am Donnerstag in Berlin sagte, wurden in der vergangenen Woche fast 1.600 neue Fälle registriert, doppelt so viele wie im Frühherbst, als es 700 bis 800 pro Woche gab. Bei der bisherigen Spitze Ende/Anfang August habe es 3.000 bis 3.500 Fälle wöchentlich gegeben. Das Bundesgesundheitsministerium ruft deshalb die Bevölkerung auf, sich an der ab Montag beginnenden Impfung zu beteiligen.
In mehr als 90 Prozent der Influenza-Fälle hätten die Betroffenen das Virus in Deutschland erworben, sagte Hacker. Im Sommer seien die Erkrankungen noch in 80 Prozent der Fälle auf Auslandsaufenthalte zurückgegangen.
Nach RKI-Angaben gab es bislang 25 000 Schweinegrippe-Fälle in Deutschland, darunter zwei Todesfälle. „Das Virus ist unter uns und verbreitet sich“, sagte der RKI-Chef. Auch in vielen anderen europäischen Staaten sowie in den USA sei ein leichter Anstieg der Fallzahlen festzustellen.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung sagte Staatssekretär Klaus Theo Schröder, er blicke „voller Sorge auf die Impfmüdigkeit“ der Bürger. Der wirksamste Schutz gegen die Neue Grippe sei die Impfung.
Neuesten Erhebungen zufolge wollten 25 bis 40 Prozent der Bundesbürger das Impfangebot nutzen. Er betonte nochmals, dass die getesteten Impfstoffe sicher seien. Die Entwicklung der Krankheit verlaufe noch mild. Doch die Witterungsbedingungen in den kommenden Wochen beförderten die Ausbreitung der Viren. Atemwegserkrankungen nehmen Experten zufolge vor allem in Süddeutschland zu.
Andrea Laslop von der europäischen Zulassungsbehörde Emea bekräftigte, dass die Behörde nach der Prüfung der drei verfügbaren Impfstoffe – Pandemrix, Celvapan und Focetria – erklären könne, „dass der erwartete Nutzen einer Impfung das mögliche Risiko übersteigt“.
Pro Woche werden Schröder zufolge insgesamt etwa 1,5 bis zwei Millionen Impfdosen an die Bundesländer ausgeliefert. Zunächst würden die wichtigsten Funktionsträger und die Beschäftigten in Krankenhäusern, Arztpraxen und Laboren geimpft, danach die gefährdeten Gruppen, zu der 30 Prozent der Bevölkerung gehörten. Ab Ende November könnten sich alle an anderen Menschen impfen lassen.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, selbst wenn die Schweinegrippe „nicht so dramatisch verläuft: Sie ist und bleibt gefährlicher als eine gewöhnliche Grippe.“ Es müsse alarmieren, dass allein in den Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche elf Kinder daran gestorben seien.
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