Berlin – Der High-Tech-Branchenverband Bitkom hat vor weiteren Verzögerungen bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gewarnt. Deutschland sei neben Spanien das einzige Land Westeuropas, das die Vernetzung im Gesundheitswesen noch nicht gestartet habe, erklärte Verbandspräsident August-Wilhelm Scheer am Donnerstag in Berlin. Er reagierte damit auf Meldungen, wonach Union und FDP die Gesundheitskarte vorläufig stoppen wollen.
Nach Einschätzung des Branchenverbandes werden sich die Kosten für die Einführung der Karte bereits nach kurzer Zeit amortisiert haben. Es sei mit Einsparungen zwischen einer und zwei Milliarden Euro pro Jahr durch die Gesundheitskarte zu rechnen.
Allein durch die Vermeidung von Arzneimittelunverträglichkeiten und Wechselwirkungen verschiedener Medikamente durch eine entsprechende freiwillige Dokumentation auf der Karte könnten mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.
Für die Versicherten ist die elektronische Gesundheitskarte nach Ansicht von Bitkom „ein echter Gewinn“. „Die Patienten werden erstmals Herr ihrer Gesundheitsdaten, die Qualität der medizinischen Versorgung wird verbessert, die Kosten sinken“, erklärte Scheer.
Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage sind 59 Prozent der Bundesbürger für die Einführung der Gesundheitskarte. Weitere zehn Prozent stehen ihr unentschlossen gegenüber. 69 Prozent möchten den direkten Zugang zu ihren Gesundheitsdaten.
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