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Wirkstoff verbessert Gedächtnis bei Mäusen

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Philadelphia – Hirnforscher haben herausgefunden, warum Schlafmangel die Vergesslichkeit fördert. In Nature (2009; 461: 1122-1125) beschreiben sie außerdem, wie ein Wirkstoff, der bereits zum sogenannten Hirndoping missbraucht wird, die Gedächtnisleistung übermüdeter Versuchstiere verbesserte.

Vor Prüfungen sollte man ausgeschlafen sein. Das gilt nicht nur für Schüler und Studenten. Auch Mäuse, denen Ted Abel vom Biological Basis of Behavior Program an der Universität in Philadelphia vor die Aufgabe stellte, bestimmte Käfigbereich zu meiden, da sie dort mit Stromstößen bestraft wurden.

Die Tiere patzten häufiger, wenn in der Nacht zuvor lange wach gehalten wurden. Wesentlich besser waren die Leistungen, wenn die übermüdeten Tiere vorher mit Rolipram behandelt wurden. 

Rolipram ist ein Inhibitor des Enzyms Phosphodiesterase 4 (PDE4). PDE4 baut in der Zelle cAMP ab. Das ist ein Botenstoff, der unter anderem an der „long-term potentiation“ (LTP) beteiligt ist, der physiologischen Grundlage der Gedächtnisbildung im Hippocampus. Abel hatte im Hippocampus übernächtigter Tiere einen Mangel an cAMP und eine vermehrte Bildung von PDE4 entdeckt. 

Rolipram wird von Hirnforschern seit einiger Zeit als  „Neuroenhancer“ eingesetzt. Die günstige Wirkung auf Gedächtnisleistungen hat sich nach Presseberichten auch unter Collegestudenten herumgesprochen, wo Rolipram als Mittel zum Hirndoping eingesetzt wird. Ob sich damit die Noten verbessern lassen, wäre noch zu beweisen.

Fest steht, dass der Wirkstoff, der 1979 von Schering zur Behandlung von Depressionen entwickelt wurde, nicht ohne Nebenwirkungen ist. Häufige Übelkeit und Erbrechen hatten dazu geführt, dass der Konzern die klinische Entwicklung seiner Zeit abbrach.

Aktuell sind aber eine Reihe von besser verträglichen PDE4-Inhibitoren zur Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (wo sie als Immunmodulatoren die Progression der Lungenveränderungen aufhalten sollen) in der Entwicklung. Ob sie zur Vorbeugung von Fehlhandlungen nach Nachtschichten oder beim Jet-Lag infrage kommen, dürfte schon bald Gegenstand klinischer Studien sein. © rme/aerzteblatt.de

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