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Parkinson-Patienten häufig Carrier von Morbus Gaucher

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Bethesda – Genforscher haben eine Verbindung zwischen dem Morbus Parkinson und dem Morbus Gaucher gefunden. Die Patienten mit der Bewegungsstörung Parkinson haben laut einer Studie im New England Journal of Medicine (2009; 361:1651-1661) häufig Mutationen im dem Gen, dessen Ausfall zur lysosomalen Speicherkrankeit Morbus Gaucher führt.

Die beiden Erkrankungen haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Ursache des mit einer Prävalenz von 1 bis 2 Prozent bei den über 60-Jährigen relativ häufigen Morbus Parkinson ist die Degeneration von Nervenzellen in einem umschriebenen Hirngebiet (Substantia nigra), was vor allem zu neurologischen Störungen führt.

Neurologische Symptome stehen beim Morbus Gaucher eher im Hintergrund. Es handelt sich um eine relativ seltene autosomal rezessive Erkrankung, ausgelöst durch verschiedene Defekte im Gen für das Enzym Glucocerebrosidase (GBA), das in den Lysosomen lokalisiert ist.

Die Störung hat eine Akkumulation von Glucocerebrosiden in verschiedenen Organen des Körpers zur Folge. Neben dem Gehirn sind Leber und Milz, Nieren, Lungen und Knochenmark betroffen. Die Betroffenen erkranken mit Hepatosplenomegalie, Anämie, Thrombozytopenie, Knochenerkrankungen und gelegentlich auch mit neurologischen Symptomen.

Aufgrund der Unterschiede beider Erkrankungen hat es lange gedauert, bis Klinikern auffiel, dass Patienten mit Morbus Gaucher häufig Parkinson-Patienten in der Familie haben.

Vor fünf Jahren wurde dann entdeckt, dass viele Parkinson-Patienten Carrier von Gendefekten des Morbus Gaucher sind (New England Journal of Medicine 2004; 351: 1937-1940). Daraufhin taten sich 16 Forschungszentren in vier Kontinenten zusammen, die 5.691 Patienten mit Morbus Parkinson auf GBA-Mutationen hin untersuchten.

Darunter waren auch 780 aschkenasische Juden, bei denen der Morbus Gaucher besonders häufig auftritt. Die Daten wurden mit 4.898 Kontrollen ohne Parkinson verglichen, darunter 387 aschkenasische Juden.

Eine der beiden häufigsten GBA-Mutationen wurde bei 3,2 Prozent der Parkinson-Patienten, aber nur 0,6 Prozent der gesunden Kontrollen gefunden. Unter den aschkenasischen Juden betrugen die Prävalenzen 15,3 Prozent bei den Parkinsonkranken versus 3,4 Prozent bei den Gesunden.

Die Sequenzierung des gesamten GBA-Gens, die bei 1.883 Parkinson-Patienten nicht aschkenasischer Herkunft durchgeführt wurde, ergab dann, dass noch weitere Mutationen vorhanden waren: Insgesamt 7 Prozent aller Parkinson-Patienten waren Carrier einer Gaucher-Erkrankung.

Die Gruppe um Ellen Sidransky vom US-National Human Genome Research Institute in Bethesda errechnet eine Odds Ratio von 5,43 über alle Zentren hinweg. Damit steht fest, dass Mutationen in den GBA-Genen der stärkste bisher bekannte Suszeptibilitätsfaktor für den Morbus Parkinson sind und man darf gespannt sein, welche pathophysiologische Rolle die lysosomale Speicherstörung beim Morbus Parkinson hat. Studien, die dies klären sollen, haben bereits begonnen. © rme/aerzteblatt.de

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