Medizin

US-Amerikaner sterben häufiger auf der Intensivstation

Freitag, 23. Oktober 2009

New York – Auch am Ende ihres Lebens vertrauen US-Amerikaner mehr als Menschen anderer Länder auf die Möglichkeiten der Medizin. Nach einer Publikation im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2009; 180: 875-880) werden US-Bürger fünfmal häufiger als Engländer am letzten Lebenstag auf einer Intensivstation behandelt. In der Altersgruppe der über 85-Jährigen ist die Rate sogar achtmal häufiger.

Die meisten US-Amerikaner und Engländer haben gleiche Vorfahren, sie sprechen die gleiche Sprache, aber in der Lebensweise gibt es durchaus Unterschiede. Besonders krass sind sie im Gesundheitswesen. In England kann die Bevölkerung auf einen kostenlosen (genauer: über Steuern finanzierten) staatlichen Gesundheitsdienst setzen, dessen Ressourcen aber begrenzt sind, was Wartezeiten zur Folge hat. In den USA ist der Mehrzahl (wenn überhaupt) privat versichert und unbezahlte Arztrechnungen sind eine der häufigsten Ursachen für den Privatkonkurs.

Das amerikanische Gesundheitswesen ist bezogen auf den Anteil der Kosten am Bruttosozialprodukt (16 vs. 8,4 Prozent, OECD-Daten) fast doppelt so teuer und die Behandlung auf Intensivstationen – oft die mit Abstand teuersten Abteilungen im Krankenhaus – sind sicherlich einer der Gründe.

Hannah Wunsch von der Columbia Universität in New York City hat die Krankenhausstatistiken aus England (Hospital Episodes Statistics) und aus sieben US-Staaten verglichen. Dabei zeigte sich, dass in beiden Ländern die Patienten in etwa gleich häufig in Krankenhäusern behandelt werden (110,5/1000 Einwohner in England versus 105,3 1000 Einwohner in den US-Staaten).

In England stirbt jeder zweite Mensch im Krankenhaus (50,3 Prozent), in den USA ist es jeder dritte (36,6 Prozent). Der Anteil der Menschen, die vor ihrem Tod auf Intensivstationen behandelt werden, ist in England mit 5,1 Prozent nur ein Drittel so hoch wie in den USA mit 17,2 Prozent. Dies ist, wie Wunsch ermitteln konnte, nicht allein darauf zurückzuführen, dass es in den USA bezogen auf die Bevölkerung sechsmal mehr Intensivbetten gibt als in England. Denn Kinder und jüngere Erwachsene werden in beiden Ländern gleich häufig auf Intensivstationen versorgt.

Der Unterschied ist vor allem auf die häufigere Behandlung von älteren Menschen zurückzuführen. Bei den über 85-Jährigen, die in den USA im Krankenhaus sterben, werden 31,4 Prozent der internistischen Patienten und 61 Prozent der chirurgischen Patienten vor dem Tod noch auf Intensivstation versorgt. In England sind es nur 1,9 Prozent der internistischen Patienten und 8,5 Prozent der chirurgischen Patienten.

Wunsch lässt in ihrer Bewertung offen, ob die Zahlen eine Überversorgung in den USA oder eine Unterversorgung in England anzeigen. Wenn allerdings die Ausschöpfung aller intensivmedizinischen Möglichkeiten das Leben hochbetagter Menschen nicht retten könne, stelle sich die Frage, ob mehr in der Medizin immer auch besser sei. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

adonis
am Sonntag, 25. Oktober 2009, 16:59

Na, das wäre doch etwas für unseren Advokadus diabolicus

Die Amis wollen nicht sterben!!! So unterschiedlich sieht die Vorstellung vom Sterben und Tod aus.
5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige