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EU-Gesundheitskommissarin: Schweinegrippe nicht unterschätzen

Dienstag, 27. Oktober 2009

Berlin/Brüssel – Experten haben erneut davor gewarnt, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Es sei zu befürchten, dass sich das Virus im Laufe der kommenden Monate verändern und deutlich aggressiver werde, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou der Zeitung „Die Welt“ vom Dienstag. Nach Schätzungen der EU könnte jeder dritte Europäer erkranken.  

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Gesundheitsexperten rechnen für das Winterhalbjahr mit einer zweiten, weitaus stärkeren Schweinegrippewelle. Laut Vassiliou muss dann auch mit einer „erheblichen Zahl“ von Toten gerechnet werden. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte bereits mehrfach davor gewarnt, dass sich der Erreger verändern und die Zahl schwerer Verläufe zunehmen könne. Die Angaben der EU-Kommission zu den Erkrankungszahlen seien richtig, aber nicht neu, sagte eine RKI-Sprecherin.

Sie beruhten auf Schätzungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), wonach im kommenden Winterhalbjahr 30 Prozent der europäischen Bevölkerung an der Schweinegrippe A/H1N1 erkranken könnten.  

Die EU-Gesundheitskommissarin warnte vor den Folgen der Schweinegrippe für die Konjunktur. „Die wirtschaftliche Erholung in der EU könnte durch die Schweinegrippe geschwächt werden“, sagte Vassiliou. Vor allem Branchen wie Tourismus oder Freizeitindustrie könnten Einbußen erleiden.

Laut einer aktuellen Studie dämpft die Schweinegrippe die Konjunktur in Deutschland allerdings weniger als befürchtet. Dabei komme den Unternehmen ausgerechnet die Wirtschaftskrise zugute, geht aus einer Studie der Allianz und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hervor. Für den schlimmsten Fall erwarten die Autoren der Studie durch eine Pandemie gesamtwirtschaftliche Kosten von 40 Milliarden Euro.

„Tatsache ist, dass die Unternehmen in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage weniger unter der Neuen Grippe leiden als im Boom“, erklärte RWI-Präsident Christoph Schmidt. Aufgrund der geringeren Aufträge in Krisenzeiten falle es weniger ins Gewicht, wenn Teile der Belegschaft krank würden.

Kritik übte das RWI an den Krankenhäusern. Sie nicht alle gut auf den Ernstfall vorbereitet. Bei einer von Gesundheitsexperten erwarteten zweiten, stärkeren Schweinegrippewelle könnte es deshalb zu Engpässen in der Krankenhausversorgung kommen, auch beim Personal.

Das RWI und die Unternehmensberatung ADMED rechnen bei einer Erkrankungsrate von 15 Prozent mit einem Mangel von rund 45.000 Intensivbetten und Beatmungsplätzen. Bei einem schweren Verlauf mit einer Erkrankungsrate von 50 Prozent würde diese Zahl auf 180.000 klettern. Die Zahl der normalen Krankenhausbetten würde ebenfalls nicht reichen.

Unterdessen warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erneut, dass in den Entwicklungsländern der Bedarf an Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus nicht zu decken sei. Im Falle einer Seuche würden den armen Ländern „Milliarden von Impfdosen“ fehlen, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bei einem Besuch in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

Die WHO will im November damit beginnen, Impfstoffe an mehr als 100 Entwicklungsländer zu liefern, darunter auch Kuba. EU-Kommissarin Vassiliou forderte, Staaten, die über zu viel Impfstoff verfügten, sollten etwas davon an Länder abgeben, die zu wenig haben.afp © afp/aerzteblatt.de

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