Kanada: Lebenserwartung von Wohnungslosen auf Niveau von Entwicklungsländern
Dienstag, 27. Oktober 2009
dpa
Toronto – Obdachlose haben eine deutlich verminderte Lebenserwartung. Selbst wenn sie in Wohnheimen oder anderen Unterkünften untergebracht sind, erreichen sie selten ein hohes Lebensalter, wie aus einer Studie aus Kanada im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b4036) hervorgeht.
Stephen Hwang vom St. Michael Hospital in Toronto und Mitarbeiter sind dem Schicksal von 15.100 Kanadiern nachgegangen, die bei der Volkszählung im Jahr 1991 zufolge beim YMCA/YWCA, in Wohnheimen oder in Touristenhotels untergebracht waren. In den folgenden 11 Jahren tauchten 3.280 Obdachlose in den Sterberegistern auf.
Viele waren an ihrem Alkohol- und Drogenkonsum, an den Folgen von mentalen Erkrankungen (Suizide) gestorben. Auch Erkrankungen wie Herzinfarkt oder chronische Atemwegserkrankungen, die mit einem starken Tabakkonsum in Beziehung stehen, sind unter Menschen ohne festen Wohnsitz häufiger.
Selbst im Vergleich zu sozial schwachen Schichten der kanadischen Bevölkerung war die Sterblichkeit der Obdachlosen deutlich erhöht, obwohl sie ein Dach über dem Kopf hatten und vor den Auswirkungen der rauen kanadischen Witterung geschützt waren: Die Chance eines 25-jährigen wohnungslosen Mannes das 75. Lebensjahr zu erreichen, beträgt nur 32 Prozent.
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