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Gesunder Lebensstil beugt langfristig Diabetes vor

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Rockville – Eine dreijährige Lebensstil-Intervention, die im Diabetes Prevention Program (DPP) einem Typ-2-Diabetes mellitus vorbeugte, zeigte eine günstige Nachwirkung. Auch sieben Jahre nach dem Ende der Studie war die Rate der Diabetesmanifestationen deutlich niedriger als in den Vergleichsgruppen, wie eine Publikation im Lancet (2009; doi:10.1016/S0140- 6736(09)61457-4) zeigt.

Die US-amerikanische DDP hatte belegt, dass eine mäßige Gewichtsreduktion und körperliche Bewegung Menschen mit grenzwertig erhöhten Blutzuckerwerten (5,3-6,9 mmol/l) oder einem pathologischen oralen Glukosebelastungstest (2-Stundenwert 7,8-11,0 mmol/l) den Beginn eines Typ-2-Diabetes mellitus hinauszögern kann.

Im Studienarm zu einem gesünderen Lebensstil waren die zumeist fettleibigen Teilnehmer (BMI 34) auf eine Diät gesetzt worden, und sie hatten 150 Minuten Sport pro Woche getrieben. Das Körpergewicht ging um 7 Prozent zurück. Die Zahl der Diabetesneuerkrankungen wurde gegenüber einer Placebogruppe, deren Teilnehmer ihren alten Lebensstil fortsetzen durften, um 58 Prozent gesenkt.

In einer dritten Gruppe waren die „prädiabetischen“ Teilnehmer mit Metformin behandelt worden, was die Neuerkrankungsrate um 31 Prozent senkte. Die DDP ist neben der Finnish Diabetes Prevention Study die wesentliche Grundlage für die evidenzbasierte (aber allzu oft fruchtlose) Mahnung an Prädiabetiker ihren Lebensstil zu ändern.

Nach dem Ende der DDP wurde – nach einer Übergangsphase – den Teilnehmern aller drei Gruppen ein Seminar angeboten. An 16 Sitzungen wurden die Ergebnisse der Studie erläutert und Empfehlungen für eine dauerhafte Änderung des Lebensstils ausgegeben.

Die Teilnehmer des Metformin-Arms durften die zwischenzeitig unterbrochene medikamentöse Prävention fortsetzen. Die DDP wurden als Diabetes Prevention Program Outcomes Study (DPPOS) fortgesetzt.

88 Prozent der DDP-Teilnehmer nahmen das Angebot an, doch die strikten Regeln zur Diät wurden offensichtlich nur teilweise beherzigt. Die Teilnehmer der Diätgruppe, die im ersten Jahr im Durchschnitt 15 Pfund abgenommen hatte, nahm in den Folgejahren wieder 10 Pfund zu.

Nach zehn Jahren hatten sie das gleiche Gewicht wie die Teilnehmer des Metformin-Armes, und da die Teilnehmer im früheren Placebo-Arm auch 2 Pfund abgenommen hatten, war am Ende nicht unbedingt ein Erfolg der Diabetesprävention zu erwarten - der sich aber dennoch einstellte.

Am Ende der zehn Jahre – darunter nur drei Jahre unter einer erfolgreichen Diät und einem konsequenten Bewegungsprogramm – lag die Rate der Diabetesneuerkrankungen noch immer um 34 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 24-42 Prozent) niedriger als im früheren Placebo-Arm. Im Metformin-Arm (das heißt unter der fortgesetzten Therapie) wurde eine Reduktion der Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes mellitus um 18 Prozent (7-28 Prozent) erzielt.

Nach Berechnungen der DPPOS-Autoren schiebt die Lebensstilmodifikation den Diabetes um 4 Jahren hinaus. Die Metformintherapie verzögert den Beginn um 2 Jahre, wobei nach Ansicht des Editorialisten Anoop Misra aus Neu Delhi offen bleibt, ob Metformin den Diabetes wirklich verhindert oder nur durch die Blutzuckersenkung maskiert hat (Lancet 2009; doi: 10.1016/S0140- 6736(09)61631-7).

Er meint dennoch, dass eine vorbeugende Metforminbehandlung für Prädiabetiker, die nicht zu einer Lebensstilintervention in der Lage (oder bereit) sind, eine Option sein könnte. Die Diabetologen dürften im Allgemeinen allerdings einer fortgesetzten Reduktion des Körpergewichts in Kombination mit vermehrter körperlicher Bewegung den Vorzug geben, zumal man davon ausgehen kann, dass die präventive Wirkung noch stärker ausgefallen wäre, wenn die ursprüngliche Gewichtsreduktion gehalten worden wäre.

Als Alternative zu Metformin könnte sich die Therapie mit Glucagon-ähnlichen Peptiden wie Exenatid oder Liraglutid anbieten, die das Körpergewicht möglicherweise besser als Metformin reduzieren. © rme/aerzteblatt.de

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