Zahl der Schweinegrippe-Fälle in Deutschland steigt auf 30.000
Freitag, 30. Oktober 2009
Berlin – Die Schweinegrippe breitet sich in Deutschland immer schneller aus. Derzeit seien knapp 30.000 Infektionsfälle seit Ausbruch der sogenannten Neuen Grippe im April erfasst worden, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin. Dem Robert-Koch-Institut lagen zunächst keine neuen Überblicksdaten vor. Im zuletzt verfügbaren Berichtszeitraum vom 14. bis 20. Oktober waren insgesamt 25.285 Fälle registriert. Die Zahl der Neuerkrankungen war binnen einer Woche von 1.503 auf 1.596 gestiegen.
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Für die zurückliegende 43. Kalenderwoche werde aber eine stärkere Zunahme bei den Neuinfektionen als in den vergangenen Wochen erwartet, sagte RKI-Sprecher Günther Dettweiler auf Anfrage. Das RKI will die neuen Daten am Montag vorstellen.
Dettweiler wies darauf hin, dass es vor einiger Zeit erst 600 bis 800 neue Infektionsfälle pro Woche gegeben hatte. Derzeit würden 27 Prozent der von Arztpraxen an das RKI eingesandten Rachenabstriche positiv auf Schweinegrippe getestet. Damit sei eine weitere Ausbreitung der hoch infektiösen Krankheit absehbar. Dieser Umstand solle bei der Abwägung für oder gegen eine Impfung beachtet werden, sagte Dettweiler.
Bislang sind drei Menschen in Deutschland an dem Erreger gestorben. Bei der saisonalen Grippe waren laut RKI in den vergangenen Jahren im Schnitt 8.000 bis 11.000 Tote pro Saison zu verzeichnen.
Bezüglich eines besonders verträglichen Impfstoffs für Schwangere brauchen die Betroffenen weiterhin Geduld. Momentan würden weltweit Gespräche mit Herstellern geführt, hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium. In Europa gebe es bislang keinen zugelassenen Spaltimpfstoff ohne Wirkstoffverstärker und quecksilberhaltige Konservierungsstoffe.
Weltweit ist die Zahl der Schweinegrippe-Todesfälle innerhalb einer Woche um 700 gestiegen. Seit dem Ausbruch der Krankheit im April seien damit mindestens 5.700 Menschen am A/H1N1-Virus gestorben, teilte die Weltgesundheitsorganisation am Freitag in Genf mit. Die meisten Todesfälle habe es mit mehr als 600 in der abgelaufenen Woche in Nord- und Südamerika gegeben, wo damit bisher 4.175 Menschen starben.
Zugespitzt hat sich die Lage in der Ukraine, wo nach dem ersten Schweinegrippe-Todesfall die Schließung aller Schulen angeordnet wurde. Diese Maßnahme gelte für mindestens drei Wochen, erklärte Regierungschefin Julia Timoschenko am Freitag in Kiew. Für die gleiche Zeitspanne seien alle öffentlichen Versammlungen verboten. Auch alle Konzerte müssen abgesagt werden, Kinos sollen geschlossen bleiben.
Wenige Stunden vor der Verfügung Timoschenkos hatten die ukrainischen Gesundheitsbehörden den ersten Todesfall im Zusammenhang mit dem Virus A/H1N1 bestätigt. Er fällt in eine Zeit großer Unruhe in der Bevölkerung wegen einer mysteriösen Lungenentzündung, die im Westen des Landes umgeht. Daran seien bereits mehr als 30 Menschen gestorben, hatte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitgeteilt. Fast tausend Menschen werden derzeit im Krankenhaus behandelt.
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