Boston – Die Therapie mit Darbepoetin alpha (Aranesp®) hat in einer Schlüsselstudie bei Typ-2-Diabetikern mit renaler Anämie die Rate der Schlaganfälle verdoppelt. Die erhoffte Reduktion der Mortalität und Morbidität blieb aus.
Bei 2.012 Patienten wurde der Hämoglobinwert durch die Therapie mit Darbepoetin alfa auf 13 d/dl gesteigert. Im Kontrollarm wurden 2.026 Patienten mit Placebo behandelt. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus, wie Marc Pfeffer vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter jetzt mitteilen (NEJM 2009; doi: 10.1056/NEJMoa0907845).
Primärer Endpunkt der Studie war zum einen ein Composite aus Gesamtsterblichkeit oder einem kardiovaskulärem Ereignis (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Hospitalisierung wegen myokardialer Ischämie).
Er wurde von 602 Patienten unter Placebo und von 632 Patienten unter Darbepoetin alfa erreicht. Laut der jetzt vorliegenden Publikation ergibt dies eine nicht signifikante Hazard Ratio für Darbepoetin alfa gegenüber Placebo von 1,05 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,94-1,17).
Auch der zweite primäre Endpunkt, Tod oder Dialysepflichtigkeit, trat unter der Therapie mit Darbepoetin alfa tendenziell häufiger auf: 652 vs. 618 Patienten bedeuten eine, wiederum statistisch nicht signifikante Hazard Ratio von 1,06 (0,95-1,19).
Den Grund für den tendenziellen Anstieg zeigt die Auswertung in einem sekundären Endpunkt: An einem Schlaganfall erkrankten 101 Patienten, die mit Darbepoetin alfa, aber nur 53 Patienten, die mit Placebo behandelt wurden: Die Hazard Ratio von 1,92 (1,38-2,68) ist bei einem p-Wert von <0,001 ein hochsignifikantes Ergebnis.
Nach Ansicht des Editorialisten Philip Marsden von der Universität Toronto wird die Studie nicht ohne Auswirkungen auf die Leitlinien bleiben (NEJM 2009; doi: 10.1056/NEJMe0909664). Worin diese bestehen werden, bleibt abzuwarten.
Da die Therapie mit Darbepoetin alfa die Zahl der notwendigen Bluttransfusionen senkte und eine Verbesserung der Lebensqualität anzunehmen ist, – wenn auch die Studienergebnisse hier nicht eindeutig sind – dürfte die Therapie mit ESA weiterhin Anhänger haben. Zu denen zählt auch Marsden, der hofft, dass weitere Studie jene Untergruppen ermitteln werden, in denen ESA mit Gewinn für den Patienten eingesetzt werden können.
Patienten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko dürften nicht dazugehören. Auch wenn es sich um eine andere Indikation handelte, werden deutsche Beobachter sich an den unglücklichen Ausgang der EPO-Schlaganfall-Studie erinnern. Dort hatte der Versuch, die Ergebnisse einer Thrombolyse durch die Gabe von Epoetin alfa zu verbessern, mit einem Anstieg der Todesfälle (16 vs. 9 Prozent) geendet.
Für die Hersteller der ESA bedeutet die Studie einen weiteren Rückschlag, nachdem in den letzten Jahren mehrere Studien auf ein erhöhtes Krebsrisiko hingewiesen hatten. Den Nephrologen ist mittlerweile klar, dass die Korrektur des Hämoglobinwertes nicht das alleinige Ziel der Behandlung sein kann.
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