Große Fortschritte bei Forschung mit pluripotenten Stammzellen
Dienstag, 3. November 2009
Berlin – Der Einsatz von pluripotenten menschlichen Stammzellen wird sich nach Angaben von Forschern zu einer Schlüsseltechnologie der Biomedizin entwickeln. Der Berichterstatter für Stammzellforschung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Ferdinand Hucho, sprach am Dienstag bei der Vorstellung des „Zweiten Gentechnologieberichts“ von wesentlichen Fortschritten auf dem Gebiet der „Reprogrammierung“ von Stammzellen.
Menschliche embryonale Stammzellen würde dabei nur noch zu Vergleichszwecken benötigt, betonte der Biochemiker. Gleichzeitig wertete Hucho die Stichtagsverschiebung für den Import menschlicher Stammzellen und die Einschränkung der Strafbarkeitsregelung für Forscher im Stammzellgesetz als „Befreiungsschlag“ für die deutsche Forschung. Durch die Konzentration auf die pluripotenten Stammzellen sei die Forschung aber „nicht mehr durch ethische Diskussionen belastet“.
Ziel der jetzigen Forschung ist der Einsatz von Stammzellen bei Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt oder Parkinson. Anwendungen seien aber erst in frühestens zehn Jahren zu erwarten, so der Bericht. Reprogrammierte Zellen könnten allerdings schon bald in der Wirkstoffanalyse von Medikamenten eine Rolle spielen. Dies steigere die Sicherheit für Patienten und erspare Tierversuche.
Angesichts von Missbrauchsmöglichkeiten sprach Hucho von einer „ungeheuer heißen und heiklen Technologie“. Stammzelltherapien sollten nur in speziell zertifizierten Zentren stattfinden, fordern die Experten. Zugleich sprechen sie sich gegen die Schaffung völlig neuer Organismen durch die Gentechnik aus.
Die molekulargenetische Diagnostik, also die Analyse der menschlichen Erbanlagen, wird nach Ansicht des Berliner Humangenetikers Karl Sperling zunehmend an Bedeutung gewinnen und ganz neue Möglichkeiten eröffnen.
Während die erste Sequenzierung des Genoms mehrere Milliarden Dollar gekostet habe, rechnete Sperling schon bald mit Kosten von rund 1.000 Dollar pro Person. Da dies alle Menschen betreffen werde, müsse der Umgang damit Thema in Schule und Universität werden. Ein wesentliches Problem sei dabei der Umgang mit den Daten. Der Gesetzgeber müsse deshalb schnell möglichst europaweit den Umgang mit Biobanken regeln.
Nach Angaben des Hamburger Gentherapeuten Boris Fehse können bestimmte gezielte Genreparaturen schon bald als Behandlungsmethode anerkannt werden. Das gelte aber bislang nur für sehr wenige klar definierbare Krankheiten. Für komplexere Erkrankungen wie Krebs werde es noch mindestens ein Jahrzehnt dauern. Die Gentherapie werde dabei nur ein ergänzender Ansatz unter anderen sein.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.