Berlin – Die Unternehmen der Medizintechnologie sind trotz Wirtschafts- und Finanzkrise in 2009 durchschnittlich mit knapp vier Prozent gewachsen und haben gegenüber dem Vorjahr mehr als 4.200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit beschäftigt die Branche derzeit insgesamt mehr als 175.000 Menschen in Deutschland.
Das ist das Ergebnis der Herbstumfrage des Bundesverbands Medizintechnik (BVMed), an der sich 110 der 226 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Der Verband präsentierte die Umfrageergebnisse heute beim 10. Medienseminar „Die MedTech-Branche in der neuen Legislaturperiode“ in Berlin.
Nach der Umfrage hat sich die Stimmung in der Branche im Herbst im Vergleich zum Frühjahr 2009 verbessert. 52 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem besseren Umsatzergebnis als 2008. In der Frühjahrsumfrage waren dies nur 37 Prozent. Der inländische Preisdruck hält laut Umfrage weiter an, konnte aber in den meisten Bereichen durch weitere Absatzsteigerungen aufgrund steigender Fallzahlen kompensiert werden. Es leiden jedoch die Deckungsbeiträge und die Gewinnsituation der Unternehmen.
Der Ausblick der Unternehmen auf das Jahr 2010 fällt vorsichtiger aus. 46 Prozent erwarten ein besseres Ergebnis, 39 Prozent rechnen mit Stillstand und 15 Prozent mit Umsatzeinbußen. Die Zurückhaltung ist in erster Linie durch die verschlechterte Finanzsituation des Gesundheitsfonds in 2010 begründet.
Befragt nach den konkreten Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise, nennen die Unternehmen vor allem den stärkeren Preisdruck (64 Prozent) sowie eine generell angespanntere Finanzlage (47 Prozent). Für 2010 befürchten die Unternehmen eine weitere Zunahme des Drucks auf die Preise von Produkten und Dienstleistungen (80 Prozent).
Konkrete Maßnahmen wie einen Einstellungsstopp haben 23 Prozent der Unternehmen eingeleitet. 30 Prozent gaben an, dass sie Investitionen aufgeschoben haben. Rund 17 Prozent der Unternehmen spüren derzeit keine Auswirkungen der Wirtschaftskrise.
Von der neuen Bundesregierung erwartet der BVMed „mehr wettbewerbliche Elemente im Gesundheitsmarkt und eine schnellere Umsetzung von Produkten in den Behandlungsalltag – sowohl in den Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich”, so der Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands, Meinrad Lugan.
„Der Fokus muss auf der Qualität der medizinischen Versorgung statt alleine auf dem Preis liegen”, betonte BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt. Die Umfrage zeige: Bei den gesundheitspolitischen Forderungen der Unternehmen stehe eine stärkere Qualitätsorientierung statt einer einseitigen Preisfokussierung (58 Prozent) im Vordergrund.
Zu den Koalitionsverhandlungen hatte der BVMed auf seinen „Zehn-Punkte-Plan für die Versorgung von Patienten mit fortschrittlicher Medizintechnologie“ hingewiesen. „Die zehn Punkte bleiben über die Koalitionsverhandlungen hinaus unsere Forderungen an das wirtschafts- und gesundheitspolitische Handeln dieser Regierung in den nächsten vier Jahren”, sagte Lugan.
Der BVMed fordert darin unter anderem, die besondere Wertigkeit von Medizinprodukten stärker herauszustellen, beispielsweise durch ein CE-Med-Zeichen. Der Zugang für medizintechnische Innovation sollte unbürokratisch und flexibel gestaltet werden.
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