Orale Leukoplakie: Chemoprävention mit Tee-Extrakt
Donnerstag, 5. November 2009
 |
| dpa |
Houston – Ein Extrakt aus grünem Tee hat in einer klinischen Phase-II-Studie die Remission einer oralen Leukoplakie begünstigt und die Zeit bis zum Auftreten eines Mundbodenkarzinoms verzögert, wie US-Forscher in Cancer Prevention Research (2009; 2: 931-941) berichten.
Die weißen, nicht abwischbaren Effloreszenzen auf der Mundschleimhaut, die als orale Leukoplakie bezeichnet werden, sind zumeist Folge eines langjährigen Alkohol- und Nikotinabusus. Sie bilden den Boden für ein späteres Karzinom und sind wegen ihrer leichten Zugänglichkeit ein geeignetes Objekt für die Prüfung der krebspräventiven Wirkung von grünem Tee.
Die in dem Getränk enthaltenen Polyphenole habe in zahlreichen präklinischen Studien eine Karzinogenese verhindert und in der klinischen Studie von Vassiliki Papadimitrakopoulou vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston wurde erstmals untersucht, ob dies auch beim Menschen der Fall ist.
41 Patienten wurden über 12 Wochen mit dem Extrakt in drei unterschiedlichen Dosierungen oder mit Placebo behandelt. Das primäre Ziel derartiger Studien ist es, eine optimal verträgliche Dosierung zu finden.
Denn auch wenn die Extrakte aus einem seit langem verwendeten Getränk hergestellt werden, kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass sie in konzentrierter Form eingenommen sicher sind. In der höchsten Dosis von dreimal täglich 1.000 mg/m
2 Körperoberfläche kam es denn auch häufiger zu Schlaflosigkeit und Nervosität, niemals aber zu lebensgefährlichen (Grad 4) Nebenwirkungen.
Gleichzeitig liefert die Studie erste Hinweise auf eine Wirksamkeit des Extrakts: Bei 58,8 Prozent der Teilnehmer kam es (ab einer Dosis von 500 mg/m
2) zu Remissionen der Leukoplakie, was im Placeboarm nur bei 18,2 Prozent der Fall war.
Auch die Histologie der Läsionen (sie wurden vor und nach der 12-wöchigen Therapie biopsiert) besserte sich bei 21,4 Prozent gegenüber 9,1 Prozent in der Placebogruppe. Der Unterschied war jedoch nicht signifikant.
Immerhin: In den Schleimhautproben konnten die Forscher mehrere Hinweise auf eine antiangiogenetische Wirkung des Extraktes erkennen, die auch dafür verantwortlich sein könnte, dass die Entwicklung eines Mundbodenkarzinoms, zu des es bei 15 Teilnehmern nach im Mittel 27,5 Monaten kam, verzögert wurde.
Weitere klinische Studien werden zeigen, ob die Wirkung ausreicht, um die Extrakte als erstes chemopräventives Medikament bei Kopf-Halstumoren zu etablieren. Gegen den Ratschlag an die betroffenen Patienten, ihren Genussmittelkonsum von Alkohol und Zigaretten auf grünen Tee umzustellen, gibt es nach Ansicht der Autoren keine Einwände. Eine Gewissheit, dass sich dadurch ein Karzinom vermeiden lässt, besteht dagegen nicht.
© rme/aerzteblatt.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.