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Donnerstag, 5. November 2009
Pure Red-Cell-Aplasie: Rezeptoragonist überwindet Epo-Resistenz

London – Ein neuartiger Agonist am Erythropoetin-Rezeptor kann auch bei jenen Patienten die Neubildung von Erythrozyten stimulieren, die Antikörper gegen das Hormon Erythropoetin entwickelt haben. Diese Pure Red-Cell-Aplasie, eine gefürchtete Komplikation der Epo-Therapie, wurde in einer offenen Studie im New England Journal of Medicine (2009; 361: 1848-1855) bei 13 von 14 betroffenen Patienten behoben.

Zwischen 2000 und 2004 waren, vor allem in Europa, mehrere hundert Menschen, zumeist Dialysepatienten, an einer Pure Red-Cell-Aplasie erkrankt. Fast alle waren zuvor mit dem Präparat Eprex® (einige auch mit Epogen® oder NeoRecormon®) behandelt worden, die damals üblicherweise subkutan appliziert wurden.

Das Immunsystem hatte Antikörper gegen das rekombinante Glykoprotein gebildet, die fatalerweise nicht nur die Wirkung der Medikamente blockierten, sondern auch die Restproduktion der körpereigenen Hormone. Die Folge war eine schwere therapieresistente Anämie, die sich häufig auch unter der Therapie mit Immunsuppressiva nicht besserte.

Die Patienten waren stärker auf Bluttransfusionen angewiesen als vor der Epo-Behandlung. Das Problem konnte durch eine Verbesserung der Formulierung und die Empfehlung einer intravenösen statt subkutanen Applikation gelöst werden. Heute ist die Pure Red-Cell-Aplasie sehr selten geworden.

Die Komplikation hat die Entwicklung eines synthetischen Wirkstoffs gefördert, das an dem gleichen Rezeptor bindet wie das (natürliche oder rekombinante) Erythropoetin, aber nicht von den Antikörpern neutralisiert wird, da es chemisch völlig anders aufgebaut ist.

Die jetzt von Iain Macdougall vom King’s College in London und Mitarbeiter aus Paris und Erlangen vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass das Konzept aufgeht: Die 14 Patienten, darunter 6 aus Deutschland, waren vor der Therapie auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen.

Seit den subkutanen Injektionen mit dem Epo-Agonisten Hematid hat sich bei 13 Patienten der Hämoglobinwert (auf den Zielwert von mehr als 11 g/dl) normalisiert. Interessanterweise ging bei diesen Patienten auch die Bildung der Epo-Antikörper zurück.

Beim 14. Patienten kam es nach einem initialen Erfolg der Hematid-Therapie wieder zu einer Resistenz, die auch durch eine steigende Dosierung von Hematid nicht überwunden werden konnte. Als Ursache wurden Antikörper gegen Hematid ermittelt. Ob dies ein Einzelfall war oder ein Zeichen dafür, dass auch Hematid bei vielen Patienten nur eine vorübergehende Lösung ist, lässt sich aufgrund einer ersten Behandlungsserie von 14 Patienten nicht sagen.

Auch die Sicherheit des Medikaments lässt sich noch nicht abschätzen. Unter den 14 Patienten kam zu einem Todesfall und bei sieben weiteren Patienten zu Grad 3/4-Komplikationen, die allerdings nur schwer von der Grunderkrankung der überwiegend alten und multimorbiden Patienten getrennt werden konnten.

Weitere Erkenntnisse sind hier aus den laufenden Studien des Herstellers zur Behandlung des renalen Anämie zu erwarten. Sollte sich Hematid als sicher erweisen, könnte es nicht nur als Medikament zur Behandlung von seltenen Epo-Komplikationen infrage kommen, sondern allgemein eine Option zur Behandlung der renalen Anämie werden. © rme/aerzteblatt.de

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