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Marburger Bund für eine neue Fehlerkultur

Freitag, 6. November 2009

Berlin – Unmittelbar vor Beginn der 116. Hauptversammlung hat sich der 1. Vorsitzender des Marburger Bundes (MB) für eine neue Sicherheitskultur im Gesundheitswesen ausgesprochen: „Wir müssen alles daran setzen, Strategien zur Fehlervermeidung zu entwickeln, die in eine neue Sicherheitskultur gerade auch in den Krankenhäusern münden. Das reicht von der Händedesinfektion bis hin zur Einstellung von mehr Personal, um Arbeitsüberlastung der Ärzte und Pfleger zu vermeiden“, sagte Rudolf Henke am Freitag in Berlin.

Notwendig seien mehr Transparenz im Umgang mit Fehlern und ein klinisches Risikomanagement, das den Wandel zu einer Lern- und Sicherheitskultur nachhaltig unterstütze. Immerhin rund 40 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland hätten inzwischen ein solches Risikomanagement etabliert, oder planten konkret die Einführung. Der MB wolle dazu beitragen, dass sich diese Zahl weiter erhöhe.

„Fehler passieren vor allem dann, wenn Menschen überlastet sind“, betonte der 1. Vorsitzende der Ärztegewerkschaft vor der Presse. Die negativen Konsequenzen von hoher Arbeitsverdichtung, überlangen Arbeitszeiten und Dauerstress für die Versorgung seien unbestritten.

Henke: „Die häufig geübte Praxis, einen Fehler immer als persönliches Vergehen eines Einzelnen zu definieren und entsprechend zu sanktionieren – im Englischen spricht man hier von naming, blaming, shaming – muss einem konstruktiven, lernorientierten und systembezogenen Ansatz weichen.“

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Henke begrüßte die Ankündigung der neuen Koalition, der Bürokratie im Gesundheitswesen Einhalt zu gebieten. „Wir haben die Hoffnung, dass die hohe Zeit des immer stärkeren Zentralismus und des Kontrollwahns im Gesundheitswesen nun endlich vorbei ist“, sagte der MB-Vorsitzende.

Die Diskussion über den genauen Weg der gesetzlichen Krankenversicherung in die Zukunft beginne aber erst. Die Position des MB sei klar: „Die Finanzierung muss sich nach dem Versorgungsbedarf richten und nicht umgekehrt.“

„Für uns Krankenhausärzte ist jeder Mensch von gleichem Wert“, unterstrich Henke, der am 27. September für die CDU in den Bundestag gewählt worden war. Ob jemand zur gesetzlichen Krankenkasse gehöre, privat versichert sei, Beihilfe vom Staat erhalte oder Stütze beziehe, mache keinen Unterschied in der ärztlichen Behandlung: „Die Krankenversorgung muss im Mittelpunkt stehen. Dass sie Geld kostet, ist kein Fehler, für den Ärzte und Pflegekräfte sich entschuldigen müssen.“

„Andererseits wollen wir Klinikärzte natürlich auch keine überflüssige Medizin“, stellte der MB-Vorsitzende klar. Die Krankenkassen seien deshalb gehalten, ihr Leistungsangebot ausschließlich an den tatsächlichen Versorgungsbedürfnissen der Versicherten auszurichten.

„Das Geld muss für die Kranken da sein und nicht für Wellness-Reisen und anderen Marketing-Schnickschnack“, so Henke. Das gelte für Krankenkassen und Ärzte gleichermaßen: „Wir Ärzte sehen in der Indikation den entscheidenden Schlüssel zu guter Diagnose und Therapie. Wir wollen den Patienten indikationsgerecht beraten und keine Verkaufsgespräche führen.“

Die 116. MB-Hauptversammlung findet am 6. Und 7. November im Berliner Estrel-Hotel statt. An ihr teilnehmen werden 204 Delegierte der 14 Landesverbände. JF © JF/aerzteblatt.de

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