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Infektionen als Schlaganfallrisiko

Dienstag, 10. November 2009

New York City – Der Nachweis von Antikörpern gegen fünf Erreger, die mit der Ätiologie der Atherosklerose in Verbindung gebracht werden, waren in einer Beobachtungsstudie in den Archives of Neurology (2009: doi: 10.1001/archneurol.2009.27) mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert.

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Die Northern Manhattan Study wird im Stadtteil Washington Heights durchgeführt. Dort leben heute vor allem Einwanderer aus Lateinamerika (Puerto Rico), deren Anteil an der Studie 63 Prozent betrug, und Afroamerikaner (20 Prozent).

Weiße europäischer Herkunft sind in dem Stadtteil, der einmal das bevorzugte Ziel deutscher Einwanderer war, seit langem in der Minderheit (15 Prozent). Der Norden Manhattens wurde nicht zufällig für die Studie ausgewählt, da Schlaganfälle unter Hispanics und Afroamerikanern sehr viel häufiger sind als unter Weißen. Und häufige Infektionen (in der ärmeren Gegend) könnten eine der Ursachen sein.

Tatsächlich hatte die Mehrheit der Studienteilnehmer im Alter ab 40 Jahren zu Beginn der Studie Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae (IgG 74 Prozent; IgA 66 Prozent), Helicobacter pylori (55 Prozent), Zytomegalievirus 85 Prozent) und Herpes simplex-Virus 1 (86 Prozent) und Herpes simplex-Virus 2 (57 Prozent). Sie sind nach einer verbreiteten Annahme, welche die Ursache der Atherosklerose in einer chronischen Entzündungsreaktion auf Krankheitserreger sieht, vermehrt gefährdet, an Schlaganfällen zu erkranken.

Die fünf Erreger wurden mit Absicht ausgewählt, da jeder nach einer akuten Infektion im Körper persistieren kann. Spuren einzelner Erreger (C. pneumoniae) wurden sogar in atherosklerotischen Plaques nachgewiesen, was in der Vergangenheit bereits Anlass für randomisierte Studien zu einer Antibiotikaprophylaxe von Herzinfarkten (einem weiteren Endpunkt der Atherosklerose) war, die allerdings erfolglos blieben. Antibiotika wären aber auch unwirksam gewesen gegen drei der fünf jetzt untersuchten Erreger.

In der aktuellen Studie wurde für alle fünf Erreger ein erhöhtes Schlaganfallrisiko ermittelt. Für keinen einzelnen Erreger war die Assoziation jedoch statistisch signifikant, was daran gelegen haben mag, dass Schlaganfälle bisher relativ selten auftraten: Die Diagnose wurde in der Nachbeobachtungszeit von 7,6 Jahren nur bei 67 der 1.625 Teilnehmer (Durchschnittsalter 68,4 Jahre) gestellt.

Erst in einem „infectious burden index“ (IBS), der alle fünf Infektionen zusammenfasst, ermittelten die Gruppe um Mitchell Elkind von der Columbia Universität in New York City eine signifikante Assoziation: Pro Standardabweichung im IBS stieg das Schlaganfallrisiko um 39 Prozent (adjustierte Hazard Ratio 1,39; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-1,90).

Die Autoren sehen mögliche klinische Auswirkungen der Studienergebnisse. Eine Vermeidung von Infektionen könnte ein Beitrag sein, die hohe Rate von Schlaganfällen von Hispanics und Afroamerikaner zu senken. Wie dies erfolgen soll, bleibt jedoch unklar. © rme/aerzteblatt.de

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