La Jolla – Schokolade macht nicht nur „süchtig“, weil sie so gut schmeckt. Wenn der Nachschub ausbleibt, kann es wie bei einer echten Abhängigkeit auch zu Entzugserscheinungen kommen. Die damit verbundene Stressreaktion könnte nach tierexperimentellen Befunde in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2009; doi:10.1073/pnas.0908789106) das Jo-Jo-Phänomen erklären, an dem viele Diäten scheitern.
Anzeige
Auch Ratten mögen Schokolade. Sie mögen sie so sehr, dass es in den Experimenten, die Eric Zorrilla vom Scripps Research Institute in La Jolla durchführte, bald zu einer Änderung des Fressverhaltens kam, den auch viele Diätwillige kennen.
Die Tiere wurden abwechselnd mit normalem Tierfutter (5 Tage) und einem süßen mit Schokoladen-Aroma versehenen Futter (2 Tage) versorgt. Nach kurzer Zeit fraßen sich die Tiere am Schoko-Futter mehr als satt. Das Interesse an normaler Nahrung ließ dagegen nach. Lieber hungerten die Tiere und warteten auf die nächste Ration Fast Food. In dieser Zeit litten die Tiere unter Stress. Sie begannen angstauslösende Situationen zu meiden.
Auch im Gehirn der Tiere gab es Veränderungen. Im Nucleus centralis der Corpora amygdalis, einem für die Verarbeitung von Stressreaktionen wichtigen Bezirk des Großhirns, war die Konzentration des corticotropin-releasing factor (CRF) fünffach höher als bei den Tieren in der Kontrollgruppe, die niemals der Verführungskraft der Süßspeise ausgesetzt waren. Bei den Versuchstieren normalisierte sich die CRF erst wieder, wenn neues Schoko-Futter eintraf.
Den Anstieg von CRF deutet Zornilla als negative Verstärkung, oder als Zeichen eines Entzugssyndroms, das bei (anderen) Drogen zu den stärksten Motivatoren für den Rückfall zählt. Er könnte erklären, warum viele Menschen es nach einer Radikaldiät nicht schaffen, das Gewicht zu halten, sondern schon bald wieder über die Speisen herfallen, von denen sie wissen, dass sie dick machen. Diese Rückfälle ließen sich, so Zorrilla, als Selbstmedikation der Entzugssymptome interpretieren.
Die Lösung könnte in der Behandlung mit Wirkstoffen bestehen, die CRF antagonisieren. Eine derartige Substanz mit der Bezeichnung R121919 hat der Forscher an seinen Versuchstieren getestet. Mit Erfolg: Nach der Behandlung mit R121919 verringerte sich die Neigung der Tiere, sich nur noch von Schoko-Futter zu ernähren. Auch normales Futter wurde wieder akzeptiert.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.