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Ärzte und Kassen fordern Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen

Donnerstag, 12. November 2009

Gütersloh/Hamburg/Berlin – Nach dem Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke verweisen Fachgesellschaften und Krankenkassen darauf, dass psychische Erkrankungen nach wie vor mit Tabus belegt sind. Dabei hätten sich psychische Beschwerden längst zu Volkskrankheiten entwickelt, wie beispielsweise die Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung zeigten.

Danach klagt jeder dritte Erwerbstätige über psychische Belastungen, mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen innerhalb eines Jahres wegen psychischer Probleme einen Arzt auf.

Gerade bei Männern haben nach Angaben der Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) psychische Krankheiten stark zugenommen. So stieg die Anzahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden bei männlichen Arbeitnehmern seit 2000 um 12,5 Prozent. Wegen depressiver Störungen habe es bei ihnen sogar 26,2 Prozent mehr Fehltage gegeben, so die Krankenkasse.

„Vor allem bei Männern gibt es zudem eine hohe Dunkelziffer unerkannter Depressionen", warnt Diplom-Psychologe Frank Meiners. Der Drang nach Erfolg, Perfektion und ständiger Leistungsbereitschaft mache viele Männer zu kranken Helden, denen die Fähigkeit fehle, ihren Sorgen Ausdruck zu geben. Hier seien Sensibilität in Gesellschaft und Arbeitswelt gefordert.

Auch der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) weist auf die Zunahme psychischer Erkrankungen hin: „Jährlich entstehen in Deutschland durch psychische Belastungen Produktionsausfallkosten in Höhe von 3,8 Milliarden Euro“, so Heinz Kaltenbach, Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes.

Die häufigsten Erkrankungen seien dabei Angststörungen und Depressionen, die zunehmend in der zweiten Lebenshälfte auftreten. So wurde bei rund 20 Prozent aller weiblichen BKK Versicherten und jedem zehnten männlichen Versicherten über 50 Jahre 2008 eine Depression diagnostiziert.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sind viele Depressionskranke suizidgefährdet. 10 bis 15 Prozent aller Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen sterben durch Selbstmord. Viele der Betroffenen suchen laut DGPPN allerdings keinen Arzt auf.

Häufig würden Depressionen aber auch aufgrund ihres vielfältigen Erscheinungsbildes vom Hausarzt nicht erkannt. Werde einmal die richtige Diagnose gestellt, sei die Lage alles andere als aussichtslos, so die DGPPN. Mehr als 80 Prozent der Erkrankten kann der Gesellschaft zufolge dauerhaft und erfolgreich geholfen werden. „Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Allgemeinbevölkerung für dieses Thema sensibilisiert und aufgeklärt wird“, so die DGPPN. © hil/aerzteblatt.de

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