Chapel Hill – Der Wirkstoff Flibanserin hat in drei randomisierten klinischen Studien die Libido von Frauen mit „sexueller Appetenzstörung“ gesteigert. Ob das noch nicht zugelassene Medikament sich als „Viagra für Frauen“ eignet, dürfte auch vom Nebenwirkungsspektrum abhängen.
Anzeige
Ähnlich wie Sildenafil (Viagra®), das ursprünglich zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit entwickelt wurde, war für Flibanserin ein anderes Einsatzgebiet vorgesehen. Doch als Antidepressivum war es ebenso ungeeignet wie Sildenafil zur Linderung pektanginöser Beschwerden.
In den Tierversuchen, so wird kolportiert fiel dann ein gesteigerter Sexualtrieb der weiblichen Tiere auf. Auch die Teilnehmerinnen der klinischen Tests berichteten über eine gesteigerte Libido, sodass die klinische Entwicklung mit der Indikation von Libidostörungen (hypoactive sexual desire disorder, HSSD) fortgesetzt wurde.
Der Hersteller führte vier Studien bei prämenopausalen Frauen durch. Drei Studien (DAISY, VIOLET und DAHLIA) wurden in Nordamerika, eine in Europa (ORCHID) durchgeführt. In der DAHLIA-Studie wurde keine Wirkung gefunden, was auf die niedrigere Dosis zurückgeführt wird.
Die kombinierte Analyse der beiden anderen nordamerikanischen Studien DAISY und VIOLET mit 1.378 Teilnehmerinnen, welche die Gruppe um John Thorp von der Universität von North Carolina in Chapell Hill jetzt auf der Jahrestagung der European Society for Sexual Medicine in Lyon vorstellte, dokumentiert einen Anstieg der sexuell befriedigenden Erlebnisse (satisfying sexual events, SSE) von 2,8 auf 4,5 pro Monat.
Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass auch Placebo die Zahl der SSE von 2,7 auf 3,7 steigerte. Die Wirkung von Flibanserin soll statistisch signifikant besser gewesen sein. Auch das sexuelle Verlangen habe sich unter der täglichen (abendlichen) Einnahme von Flibanserin verbessert, wird mitgeteilt. Gemessen wurde es mittels eines täglichen elektronischen Tagebuchs (eDiary) und einer Subskala des Female Sexual Function Index (FSFI).
In der europäischen ORCHID-Studie an 634 prä-menopausalen Frauen wurde ebenfalls eine Steigerung der Libido gefunden, die allerdings nur im eDiary, nicht aller im FSFI signifikant ausfiel. Die SSE hätten „numerisch“ zugenommen, wird mitgeteilt.
Ob die Steigerung der SSE um weniger als ein SSE pro Monat (im Vergleich zu Placebo), Frauen mit HSSD zur allabendlichen Einnahme des Wirkstoffs motivieren kann, dürfte vom Leidensdruck der betroffenen Frauen beziehungsweise Paare abhängen.
Eine Rolle dürfte sicherlich die Verträglichkeit des Wirkstoffs spielen. Die häufigsten Nebenwirkungen in den Studien waren Schwindelgefühle, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit oder Schlafstörungen.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Aus den oben verlinkten Präsentationen berechnet sich für dieses Stöffchen eine Effektstärke von höchstens ca. 0.20 - je nach Skala und mit konservativerer Auslegung noch deutlich darunter. Die Firma hat >300 Frauen pro Gruppe rekrutiert, um wenigstens einige "Positivresultate" sprich statistische Signifikanz zu erreichen. Und das hat nicht mal in allen Studien/Endpunkten funktioniert.
Das kann selbst der blauäugigste Enthusiast nicht als eine "Wirkung" im klinischen Sinne bezeichnen wollen. Von einem direkt spürbaren Nutzen für die Benutzerinnen mal ganz zu schweigen - abgesehen vom Placeboeffekt.
Das wird wohl auch der Hersteller begriffen haben und fährt darum eine vorgreifende Werbekampagne auf allen Kanälen. Ob aber Marketing allein ausreicht, um so ein nebenwirkungsreiches Placebo an die Frau zu bringen? Da kommt eine grandiose Farce in Gang.
Mir fällt trotz fieberhaftem Nachdenken keine Situation ein, wo frau wollen will. Zum Pornodreh eignet sich das bei der lächerlichen Wirkstärke nicht. Wenigstens auch nicht zur missbräuchlichen Gabe durch männliche Partygäste.
Viagra war ja gut für ältere Herren mit jungen Frauen. Zumindest hat mir das damals einige anstrengende Diskussionen mit dem Aufkommen von Viagra erspart. OK. Nun gut. Madonna hat ja auch ein junges Bürschchen. Vielleicht braucht sie das! Oder das Bürschchen einige Schnäppschen um seine tägliche Pflicht zu erfüllen.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.