Bethesda – Eine Präeklampsie kann offenbar auf Dauer die Schilddrüse der Schwangeren schädigen. Eine Fall-Kontrollstudie im British Medical Journal (2009; 339: b4336) zeigt ein erhöhtes Hypothyreoserisiko während der Schwangerschaft, das in einer bevölkerungsbasierten Studie noch viele Jahre später nachweisbar blieb.
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Die Ursache der Präeklampsie, an der 3 bis 5 Prozent aller Schwangeren erkranken, ist unbekannt. Vor drei Jahren entdeckte die Gruppe um Richard Levine vom US-National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) in Bethesda/Maryland jedoch, dass der durch Hypertonie, Proteinurie und Ödeme gekennzeichneten Störung häufig ein Anstieg zweier löslicher Faktoren im Blut vorausgeht.
Einer davon ist sFlt-10 (soluble fms-like tyrosine kinase 1). Er blockiert im Körper ein Protein mit der Bezeichnung VEGF (vascular endothelial growth factor). Auf ähnliche Weise wirken einige Krebsmedikamente (Angiogenesehemmer), zu deren Nebenwirkung neben Hypertonie und Proteinurie auch eine Hypothyreose gehört.
Dies veranlasste Levine auch bei Schwangeren mit Präeklampsie nach einer Unterfunktion der Schilddrüse zu suchen. Eine Möglichkeit bot die Calcium for Pre-eclampsia Prevention (in der vergeblich versucht worden war, der Erkrankung durch Gabe von Kalzium vorzubeugen, NEJM 1997; 337: 69-77).
In der Tat war in einer Gruppe von 141 Teilnehmerinnen, die später an einer Präeklampsie erkrankten, der TSH-Spiegel (ein Zeichen für eine Hypothyreose) um das 2,42-fach angestiegen. In der Kontrollgruppe von 141 Teilnehmerinnen, die nicht an Präeklampsie erkrankten, war der TSH zwar ebenfalls angestiegen (1,48-fach) angestiegen, aber eben nicht so stark wie bei den Frauen mit Präeklampsie. Unter dem Strich hatten Frauen mit Präeklampsie 2,2-fach häufiger höhere TSH-Werte als Frauen ohne Präeklampsie.
Und in beiden Gruppen korrelierte der Anstieg des TSH mit dem sFlt-10-Wert im Serum, was natürlich die Vermutung Levines stützt, dass dieses Protein die Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion war. Bei den meisten Frauen kam es allerdings nicht zu einer manifesten Hypothyreose. Nur zwei Frauen hatten niedrige Trijodthyronin-Werte und keine wurde symptomatisch.
Es könnte jedoch sein, dass die Schädigung der Schilddrüse während der Schwangerschaft die Frauen auf eine spätere manifeste Hypothyreose prädisponiert. Hierfür spricht der zweite Teil der Studie, in dem die Forscher die Daten der Nord-Trondelag Health Study (HUNT-2) auswerteten, zu deren Teilnahme zwischen 1995 bis 1997 alle über 20-jährigen Einwohner der norwegischen Region Nord-Trøndelag eingeladen waren.
Es wurden auch Blutroben entnommen, und bei 7121 Frauen konnten die Forscher der Universität Bergen die Schilddrüsenwerte mit den Angaben im norwegischen Geburtenregister in Beziehung setzen.
Ergebnis: Frauen mit einer Präeklampsie in der Vorgeschichte hatten zu 70 Prozent häufiger erhöhte TSH-Werte. Wurden jene Frauen aus der Berechnung herausgenommen, die Hinweise auf autoimmune Störungen hatten, stieg die Odds Ratio auf 2,6. Und wenn die Frauen in den beiden ersten Schwangerschaften an einer Präeklampsie erkrankten, war das Risiko auf eine spätere TSH-Erhöhung fast sechsfach erhöht (Odds Ratio 5,8).
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