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Medizin

Erstmals Epidermis aus Stammzellen gezüchtet

Freitag, 20. November 2009

Paris – Französische Forscher haben eine komplette Epidermis aus embryonalen Stammzellen gezüchtet und im Tiermodell erfolgreich transplantiert. Eine Perspektive der im Lancet (2009; 374: 1745–53) vorgestellten Ergebnisse könnten abstoßungsfreie Allogentransplantate sein.

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Hauttransplantate könnten vielen Menschen mit schweren Verbrennungen dritten Grades das Leben retten. Zwar ist es seit einiger Zeit möglich, die Hautzellen der Patienten zu kultivieren. Diese Verfahren benötigen allerdings mehrere Wochen, die viele Opfer nicht überleben, zumal die als Zwischenlösung eingesetzten Transplantate von Leichen oft abgestoßen werden.

Auch ein befriedigender Ersatz durch synthetische Materialien ist nicht gelungen. Ob die von der Gruppe um Christine Baldeschi eines INSERM-Instituts aus Evry bei Paris aus embryonalen Stammzellen hergestellte Haut eine Lösung bringt, bleibt abzuwarten.

Die Forscher benötigten 40 Tage, um die Stammzellen in Zellkulturen durch Zusatz bestimmter Wachstumsfaktoren in Keratinozyten zu differenzieren und zur Bildung einer mehrschichtigen Epidermis zu veranlassen. Die Epidermis wurde dann fünf Mäusen transplantiert, die aufgrund eines Immundefekts Xenotransplantate akzeptieren. Über zwölf Wochen entwickelten sich die Transplantate zu einer normalen Epidermis.

Für den Editorialisten Holger Schlüter vom Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne sind die Experimente ein wichtiger Fortschritt (Lancet 2009; 374: 1725-1726), auch wenn noch nicht klar sei, ob die Stammzellepidermis für den klinischen Einsatz geeignet ist.

Dies hängt nicht nur von weiteren Sicherheitstests ab, in denen ausgeschlossen werden muss, dass die Transplantate zum Ausgangspunkt von Tumoren werden. Für einen klinischen Einsatz müssten die Stammzellen noch so weit modifiziert werden, dass sie kein HLA-Antigen mehr bilden.

Das wäre eine Voraussetzung für eine abstoßungsfreie Allotransplantation. Die Verwendung der Stammzellen der Patienten selbst kommt wegen der Zeitverzögerung nicht infrage. Die konventionelle Züchtung der eigenen Epidermis wäre schneller und kostengünstiger.

Mit den Stammzellen könnten aber allogene Transplantate in unbegrenzter Menge gebildet werden, die dann tiefgefroren für den Einsatz auf Verbrennungsstationen zur Verfügung stünden. Die von den französischen Forschern gebildete Epidermis hat mehrere Gefrierzyklen überstanden. Ob sie aber, in genetischer Modifizierung, tatsächlich sinnvoll zum Einsatz gebracht werden kann, müssen klinische Studien zeigen, deren Beginn noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. © rme/aerzteblatt.de

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