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Medizin

Krebs: Weniger Todesfälle in Europa

Montag, 30. November 2009

Mailand – In Europa sterben immer weniger Menschen an Krebs. Vor allem die Mortalität durch tabakinduzierte Malignome ist nach einer Studie in den Annals of Oncology (2009; doi: 10.1093/annonc/mdp530) rückläufig. Weiterhin gibt es aber erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern.

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Der Epidemiologe Carlo La Vecchia und Mitarbeiter am Mario Negri Institut der Universität Mailand haben die Sterberegister von 34 europäischen Ländern ausgewertet, darunter auch die Nicht-EU-Staaten Russland und die Ukraine, während kleinere EU-Länder, Belgien (keine aktuellen Zahlen verfügbar) und Zypern (keine Zahlen verfügbar) fehlen. Dennoch dürften die Zahlen repräsentativ sein.

Bei Männern ist danach die Krebsmortalität im Zeitraum zwischen 2000 und 2004 gegenüber 1990 und 1994 von 185,2 auf 168 pro 100.000 (minus 9 Prozent) zurückgegangen. Bei Frauen fiel die Krebsmortalität von 104,8 auf 96,9 pro 100.000 (minus 8 Prozent). Besonders ausgeprägt war der Rückgang im mittleren Alter: Männer minus 15 Prozent, Frauen minus 10 Prozent.

Frankreich und Deutschland haben in der untersuchten Dekade die größten Fortschritte gemacht. In diesen Ländern nimmt die Krebssterblichkeit pro Jahr um 2 Prozent ab. In Osteuropa ist die Situation ungünstiger, insgesamt sind aber auch hier die Krebstodesfälle (mit Ausnahme Rumäniens) rückläufig.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind nach wie vor beträchtlich. Die höchste Krebsmortalität haben Männer in Ungarn (225,2/100.000), in Tschechien (215,9/100.000) und in Polen (209,8/100.000). Am niedrigsten ist die Krebssterblichkeit unter Männern in Schweden (125,8/100.000), Finnland (130,9/100.000) und der Schweiz (136,9/100.000). Deutschland liegt mit 151,5/100.000 im unteren, also günstigen Bereich.

Bei Frauen ist die Krebssterblichkeit in Dänemark (141/100.000), Ungarn (131,5/100.000) und Schottland (123,1/100.000) am höchsten und am niedrigsten in Spanien (78,9/100,000), Griechenland (79,7/100,000) und Portugal (80,9/100.000). Deutschland liegt mit 94,48/100.000 auch bei den Frauen im günstigen Bereich.

Die Autoren führen die Unterschiede in erster Linie auf den unterschiedlichen Konsum von Tabak und Alkohol zurück. Dies wird bei der Betrachtung der einzelnen Krebsarten deutlich, so bei Kopfhalstumoren, die zu 80 Prozent durch Alkohol und Tabak (in der Regel in Kombination) ausgelöst werden.

Die Sterblichkeit bei Männern ist europaweit um 10 Prozent zurückgegangen. Besonders günstig war die Entwicklung in Frankreich und Italien, wo der Alkoholkonsum seit den frühen 80er-Jahren deutlich zurückgegangen ist. In Osteuropa war der Rückgang geringer. In den letzten Jahren ist es in einigen zentraleuropäischen Ländern wie Ungarn und Slowakien zu einer dramatischen Epidemie gekommen, berichten die Autoren. Neben dem Tabakkonsum habe vor allem der Alkoholkonsum deutlich zugenommen.

Ebenfalls infolge des gesunkenen Alkohol- und Tabakkonsums ist die Sterblichkeit am Ösophaguskarzinom in Italien, Frankreich und Spanien rückläufig. In Nord-, Zentral- und Osteuropa ist die dagegen Sterblichkeit gestiegen.

Die höchste Sterblichkeit haben Männer in Schottland (10,9/100.000), England/Wales (8,5/100.000) und Ungarn (8,2/100.000). Am niedrigsten ist sie in Griechenland, Bulgarien, Italien und Finnland (unter 3/100.000). Deutschland: 4,9/100.000). Bei Frauen ist die Sterblichkeit am höchsten in Schottland (4/100,000), England/Wales (3/100.000) und Irland (2,8/100.000), am niedrigsten in Weißrussland, Griechenland, und der Ukraine (weniger als 0,4/100,000). Deutschland: 1/100.000.

Die Sterblichkeit an Lungenkrebs ist bei Männern innerhalb der untersuchten Dekade deutlich um 17 Prozent gesunken, bei Frauen dagegen um 27 Prozent gestiegen. Am häufigsten sterben Männer in Ungarn (78,9/100.000) an Lungenkrebs, gefolgt von Polen, Kroatien, Tschechien, Russland und den baltischen Staaten.

Am niedrigsten ist die Sterblichkeit in Schweden (20,9/100.000). Deutschland: 39,17/100.000. Bei den Frauen ist die Sterblichkeit in Schottland (28,8/100.000) und Ungarn(22,1/100.000) am höchsten. In Weißrussland beträgt sie nur 3,71/10.000. Deutschland: 11,1/100.000.

Beim Darmkrebs spielen vor allem Ernährungsgewohnheiten eine Rolle. Die Sterblichkeit ist in Griechenland (9,8/100.000 bei Männern und 7,11/100.000 bei Frauen) deutlich geringer als in Ungarn (34,5/100.000 bei Männern und 18,2/100.000 bei Frauen). Deutschland: 19/100.000 bei Männern und 12/100.000 bei Frauen. Insgesamt ist es in Europa zu einem Rückgang gekommen, der auf Verbesserung der Therapie und der Früherkennung zurückgeführt wird.

Die Sterblichkeit am Hautkrebs (einschließlich Melanom) nimmt zwar weiter zu (derzeit: Männer 2.4/100,000, Frauen 1,5/100.000). Bei Menschen mittleren Alters seien die Zahlen jedoch stabil und bei jüngeren Menschen kam es zu einer leichten Abnahme, was die Autoren auf das stärkere Bewusstsein gegenüber den UV-Schäden zurückführen.

Beim Brustkrebs ist ist die Sterblichkeit in allen Altersgruppen um 13 Prozent zurückgegangen. Am stärksten, um 25 Prozent, war der Rückgang in der Altersgruppe der 35 bis 44-Jährigen. Dies führen die Autoren vor allem auf die Verbesserungen in der Therapie, zum Teil auch auf die bessere Früherkennung zurück. Am günstigsten ist die Entwicklung in Großbritannien und den meisten westlichen Ländern, in Osteuropa wurden keine Fortschritte gemacht. In einigen osteuropäischen Ländern, darunter Russland nimmt die Brustkrebssterblichkeit zu.

Beim Zervixkarzinom macht sich die Verfügbarkeit des Pap-Screenings bemerkbar. In den meisten westeuropäischen Länder liegt die Sterblichkeit (für Zervix- und Uteruskarzinom kombiniert angeben) bei 3-4/100.000, in Rumänien dagegen bei 14,7/100.000. Deutschland: 4,47/100.000. Insgesamt ist die Entwicklung in Europa mit einem Rückgang um 19 Prozent in der untersuchten Dekade aber überaus positiv.

Die Sterblichkeit am Prostatakarzinom hat sich dagegen nicht verändert. In Frankreich, Deutschland und Großbritannien ist sie leicht rückläufig, was die Autoren auf die Verbesserung der Therapie zurückführen. In Russland, den baltischen Staaten, Polen und anderen osteuropäischen Ländern steigt die Sterblichkeit. © rme/aerzteblatt.de

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