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HIV: WHO fordert früheren Therapiebeginn

Montag, 30. November 2009

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinien zur Therapie von Infektionen mit dem Immunschwächevirus HIV überarbeitet. Sie spricht sich für einen früheren Therapiebeginn, den Einsatz von „patientenfreundlicheren“ antiretroviralen Medikamenten und für die verlängerte Prävention einer Mutter-Kind-Übertragung aus. Erstmals wird der Einsatz der Medikamente in der Stillperiode empfohlen.

Die letzten Leitlinien stammen aus dem Jahr 2006. Damals empfahl die WHO die antiretrovirale Therapie zu beginnen, wenn die CD4-Zellen auf unter 200/mm3 abgefallen waren. Zu diesem Zeitpunkt haben viele Patienten bereits erste Symptome einer Immunschwäche.

Mehrere Studien hätten seither gezeigt, dass ein früherer Beginn Morbidität und Mortalität der HIV-Infizierten senken kann, heißt es zur Begründung der neuen Leitlinie, die einen Therapiebeginn bereits ab einem CD4-Wert von 350/mm3 fordert. Die Empfehlung gilt ausdrücklich auch für HIV-Infizierte, die noch keine Symptome haben, sowie für Schwangere.

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Die WHO spricht sich außerdem dafür aus, künftig auf den Einsatz von Stavudin (d4T) zu verzichten – wegen der bekannten langfristigen irreversiblen Nebenwirkungen (Neuropathien, Lipoatrophie). Stavudin wird in Industrieländern gemieden. In Entwicklungsländern ist es wegen des niedrigen Preises und der guten Wirkung weiterhin beliebt. Die WHO empfiehlt diesen Ländern auf Zidovudin (AZT) oder Tenofovir (TDF) auszuweichen, die weniger toxisch, in der Wirkung aber gleichwertig seien.

Die neuen Leitlinien stellen auch die Bedeutung von Laborkontrollen für die Therapiequalität heraus: CD4-Werte und Viruslast sollen häufiger als bisher kontrolliert werden. Niemandem dürfe allerdings die Therapie verweigert werden, wenn keine Kontrollen möglich sind.

In der Leitlinie aus 2006 riet die WHO, HIV-infizierte Frauen erst im dritten Trimenon antiretroviral zu behandeln, um eine Mutter-Kind-Übertragung zu vermeiden. Eine Therapie während der Stillphase wurde der damals unklaren protektiven Wirkung abgelehnt. Inzwischen sieht die WHO ausreichende Belege für eine derartige schützende Wirkung.

Die neue Leitlinie empfiehlt bereits in der 14. Woche der Schwangerschaft mit der antiretroviralen Therapie zu beginnen und diese bis zum Ende der Stillperoide fortzusetzen. Die Mütter sollten die Säuglinge nach Möglichkeit 12 Monate stillen, sofern Mutter oder Baby ausreichend mit Medikamenten versorgt ist. Dadurch werde das Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung gesenkt und die Überlebenschancen des Kindes verbessert.

Die WHO hofft, dass die neuen Leitlinien die Grundlage für ein längeres und gesünderes Leben von HIV-Infizierten legen. Zweifel erscheinen berechtigt, da die Medikamente derzeit nur für 4 von 9 Millionen Menschen verfügbar sind, die nach den alten Leitlinien behandlungsbedürftig sind.

Die neue Leitlinie erhöht die Zahl der HIV-Infizierten, die therapiert werden sollten, nach WHO-Schätzungen um weitere 3 bis um 5 Millionen. Viele von ihnen sind ohne Symptome und bei fehlender Aufklärung möglicherweise nicht motiviert, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, was den Boden für eine Ausbreitung von Resistenzen legen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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