Oxford – Das postoperative Risiko auf eine venöse Thromboembolie ist möglichicherweise deutlich höher als bisher angenommen. Auch die Dauer der heute üblichen Prophylaxe könnte nach den Ergebnissen einer prospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b4583) viel zu kurz sein.
Die meisten Patienten erhalten heute nach operativen Eingriffen eine Thromboseprophylaxe. Sie besteht in der möglichst raschen Mobilisierung der Patienten und in der Injektion von Heparinen. Die Dauer der Prophylaxe variiert je nach Schweregrad der Operation.
In den meisten Fällen dürfte sie aber nicht länger als zwei Wochen dauern, und bei ambulanten Eingriffen fehlt die Kontrolle darüber, ob die Patienten die Injektionen tatsächlich durchführen.
Diese „Kurzzeitprophylaxe“ dürfte nach den jetzt publizierten Ergebnissen der Million Women Study überdacht werden. Die Kohorte umfasst 1,3 Millionen Frauen, die zwischen 1996 und 2001 am Brustkrebsscreening teilnahmen und ihre Daten für andere wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellten.
Die Gruppe um Valerie Beral von der Oxford Universität konnte deshalb ambulante und stationäre Operationen mit den späteren Diagnosen einer tiefen Venenthrombose oder einer Lungenembolie in Beziehung setzen. Aus Abbildung 1 der Publikation geht klar hervor, dass das Risiko nach einer stationären Operation bis zur dritten Woche steil ansteigt.
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In absoluten Zahlen bedeutet dies: Eine von 140 Frauen mittleren Alters wird in den ersten 12 Wochen nach einer stationären Operation erneut hospitalisiert, weil es zu einer venösen Thromboembolie gekommen ist.
Das Risiko ist sehr stark von der Art der Operation abhängig: Am höchsten war es nach einer Hüft- oder Knieendoprothesenoperation (absolutes Risiko: 1 zu 45; relatives Risiko: 220,6-fach) und nach Krebsoperationen (1 zu 85; relatives Risiko 91,6-fach). Nach einer ambulanten Operation musste eine von 815 Frauen in den ersten 12 Wochen stationär behandelt werden.
Britische Experten reagierten konsterniert auf die Ergebnisse, die ja auch auf Versorgungsdefizite in der Thromboseprophylaxe hinweisen. Ob die Heparinprophylaxe nach Operationen verlängert werden muss, ist allerdings eine andere Frage.
Eine Empfehlung kann aus einer Beobachtungsstudie nicht abgeleitet werden, da die Thromboseprophylaxe mit Risiken behaftet ist, die den Vorteilen gegenübergestellt werden müssen, was evidenzbasiert nur in randomisierten klinischen Studien möglich ist.
Alexander Cohen vom King's College Hospital in London weist im Editorial darauf hin, dass eine länger als fünf Wochen dauernde Prophylaxe bisher nicht in klinischen Studien untersucht wurde (BMJ 2009; 339: b4477). Eine Konsequenz aus der jetzigen Veröffentlichung könnte die Initiierung derartiger Studien sein.
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