Toronto – In Kanada hat sich die Zahl der Todesfälle durch ärztlich verordnete Opioide seit Anfang der 90er-Jahre verdoppelt. Die Autoren führen dies in ihrer Publikation (CMAJ 2009; doi: 10.1503/cmaj.090784) auf den vermehrten Einsatz von retardiertem Oxycodon zurück, während die Editorialisten (CMAJ2009; doi: 10.1503/cmaj.091791) eher die im Allgemeinen zu großzügige Verordnung von Opioiden und die gleichzeitige Einnahme von zentral dämpfenden Substanzen verantwortlich machen.
In Kanada verschreiben Ärzte ihren Patienten fünffach häufiger opioidhaltige Schmerzmittel als in Großbritannien. In den USA dürfte es ähnlich sein. Dort sterben mehr Menschen durch eine Überdosis an Opioid-Schmerzmitteln als durch Heroin, wie Benedikt Fischer und Jürgen Rehm vom Centre for Addiction and Mental Health, Toronto, im Editorial anmerken. Sie kommentieren dort die Ergebnisse einer Untersuchung des Institute for Clinical Evaluative Sciences in Toronto, das 3.271 gerichtsmedizinische Protokolle ausgewertet hat.
Irfan Dhalla und Mitarbeiter kommen zu dem Ergebnis, dass seit der Einführung des Schmerzmittels OxyContin im Jahr 2000 die Zahl der tödlichen Opioid-Überdosierungen um 41 Prozent angestiegen ist.
OxyContin enthält eine retardierte Form des Opioids Oxycodon, das von Ärzten in Nordamerika häufig verschrieben wird. In Kanada entfallen mittlerweile ein Drittel der Verordnungen auf den Wirkstoff Oxycodon. In Deutschland ist der Anteil weitaus geringer, obwohl auch hierzulande ein Retardpräparat seit 1998 auf dem Markt ist.
In der nordamerikanischen Öffentlichkeit wird OxyContin als besonders riskant eingestuft. Die Autoren kommen auch zu dem Ergebnis, dass die Todesfälle durch Oxycodon-Überdosierungen sich verfünffacht haben – mehrheitlich handelt es sich um nicht beabsichtigte Todesfälle.
Da gleichzeitig aber auch die Verordnungen von Oxycodon um 850 Prozent gestiegen sind, lässt sich aus der Studie nicht einfach ableiten, dass es sich um ein oxycodonspezifisches Problem handelt. Die Editorialisten weisen darauf hin, dass ein substanzieller Anteil der Todesfälle auf Überdosierungen mit anderen Opioiden zurückzuführen war.
Ein wichtiger Begleitfaktor könnte nach Ansicht der Editorialisten darin bestehen, dass viele Patienten neben dem Opioid noch andere zentral dämpfende Wirkstoffe einnahmen. Sie wurden bei 91,6 Prozent der oxycodonbedingten Todesfälle nachgewiesen.
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Oxycontin hat eine chemisch sehr ähnliche Struktur wie Heroin. Durch die Retardierung wird der Heroineffekt abgemildert. Aber die Junkies in den USA haben das schnell rausgekriegt und schnupfen oder spritzen sich das Zeugs. Leider kommt es dann zu ^buerdosierungen. Literatur? Bei der FDA Homepage. Kann ich empfehlen.
Ganz kurz 2 Dinge: Opioide im Notarztdienst kein Problem. Opioide im der palliativen Medizin kein Problem. Opioide bei Tumorpatienten mit Metasasen oder Infiltrationen ins Gewebe: kein Problem. Opiode nach Gelenkersatz länger als 6 Monate sehr grosses Problem. Opioide bei Pat mit Fibromyalgie sehr grosses Problem ( auch wenn es angeblich gut wirkt. Pat kommt immer regelmässig sein Rezeptchen abzuholen, billig, du hast regelmässig einen Schein und machst nix dafür, und der Pat koks halt ein wenig)
es gibt da sicher Unterschiede, aber insgesamt habe ich nicht den Endruck die Katastrophenmedizin südlich des 49ten Breitengrades wäre besser. An der Finanzierungsstruktur scheint es also nicht unbedingt liegen.
das Problem von Tachyphylaxie, Ceiling und Gewöhnung ist nicht nur bei Opiaten bekannt......Fällt aber in den bereich "sachgerechte Anwendung"
Und wer jemals in Toronto und Ottawa Notaufnahmen besichtigt hat, weiss, dass diese medizin dort nicht zwingend mit D verglichen werden kann. Sticwort "waiting time MRI Ottawa" googlen.
Wie ich schon im Titel betone sind Opioide nach den neueren Studien, die ich selbst durchgeführt habe, nicht wirksam.
Kann ich nicht so ganz teilen - hunderte meiner Patienten im Notarztdienst haben die gabe von potenten Opioiden mit Schmerzreduktion quittiert - keiner ist dabei gestorben. Aber das ist wohl eher eminence based.
Es liegt - wie so oft - nicht an den Medikamenten, sondern an der unqualifizierten Anwendung. beispiele waren Zerschneiden von nicht Matrrix-Fenta-Pflaster, Co- medikation. etc.pp.
Das problem der Hyperalgesie mit Remifentanil lasse ich mal aussen vor.
Trotzdem wäre ich an den Studien interessiert - oder hat die Pharma-Maffffia deren veröffentlichung verhindert???
Sehr interessante These Ihrerseits. In meiner Studienzeit in den 80zigern wurde ja immer die These vertreten und wohl auch praktiziert, dass Opoide und Schmerzmittel überhaupt sich nicht für den Langzeitgebrauch eignen. Tumorpatienten waren immer ausgenommen. Die Pharmaindustrie hatte dann mit ihrem Trommelfeuer speziell auf Allgemeinmediziner und "Schmerztherapeuten" aller Coleur Opiode als normales und für alle gut einsetzbares Schmerzmittel deklariert. In meiner Zeit als Allgemeinarzt habe ich in D im Monat höchstens 1-2 BTM Rezept und selten ein Rezept mit Tramadol und ähnlichem unterschrieben. Die BTM waren alle Tumorpatienten. Ansonsten kamen Physiotherapie, Neuraltherapie, Akupunktur und andere Verfahren zum Einsatz. Ich glaube nicht, dass meine Patienten mehr Schmerzen hatten als andere. Allerdings meine ich dass sie glücklicher waren. Ein Nachteil war sicher, dass die Methoden wesentlich zeitaufwendiger sind wie die Unterschrift auf einem BTM Rezept. Hier in Schweden habe ich in der ersten Woche mehr BTM Rezepte unterschrieben, wie in meiner ganzen Kassenärztlichen Tätigkeit in D in 8 Jahren. Das sollte vielleicht zu denken geben.
Wie ich schon im Titel betone sind Opioide nach den neueren Studien, die ich selbst durchgeführt habe, nicht wirksam.
Auf jeden Fall nicht wirksamer als andere Schmerzmittel laut Studien von Psychologen der TU Darmstadt, die nach meinem dafürhalten repräsentativ sind.
Basierend auf dieser Tatsache sollte innerhalb der Medizin m. E. langsam eine Umdenken statt finden, der Art, dass in Zukunft gar keine Opioide mehr zum Einsatz kommen sollten, so würde dieses Problem der hohen Sterblichkeit in Kanada und - wie betont - höchst warscheinlich auch in den Vereinigten Staaten, sich von selbst lösen.
Ich möchte hiermit auch dringlich darauf hinweisen, dass das nicht nur ein nordamerikanisches Phänomen ist, sondern ein weltweites Problem darstellt und zwar auch vor allen Dingen in Deutschland.
Damit möchte ich hiermit an dieser Stelle auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO, World Health Organisation) die Empfehlung geben, ihre Richtlinien dahingehend einmal zu überdenken und - auf jeden Fall was die Opioide anbetrifft - mit aller Schärfe weltweit für ein Verbot der Opioide einzutreten.
Ich denke, auf Grund dieses Bewußstsein und deren positive Handlungsweise kann man sehr viel Menschenleben retten und - nebenbei erwähnt - auch verantwortungsbewußt mit anderen Medikationen umgehen, sodass die Patienten keine Spätfolgen mit sich tragen.
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