Chicago – Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) lindern nicht nur die Symptome einer Depression. In einer randomisierten klinischen Studie in den Archives of General Psychiatry (2009; 66: 1322-133) kam es unter der Behandlung mit Paroxetin auch zu einer Änderung der Persönlichkeit, die nach Ansicht der Autoren wesentlichen Anteil an der therapeutischen Wirkung hat.
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Das Fünf-Faktoren-Modell (“Big Five”) unterscheidet fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit. Zwei Faktoren, nämlich (hoher) Neurotizismus und (niedrige) Extraversion sind eng mit der Entwicklung einer Depression assoziiert.
Neurotizistische Persönlichkeit neigen zu negativen Emotionen und eine Instabilität des Gefühlsleben, das sie eben so anfällig macht für Depressionen wie eine verminderte Extraversion, die Menschen mit geringer Neigung zu sozialen Bindungen charakterisiert.
Beide Persönlichkeitszüge sind in der Vergangenheit mit dem Neurotransmitter Serotonin im Gehirn in Verbindung gebracht worden, was Tony Tang von der Northwestern University in Evanston bei Chicago veranlasst hat, die Auswirkung der SSRI auf das Fünf-Faktoren-Modell zu untersuchen.
An der Studie beteiligten sich 240 Erwachsene mit Major-Depression. Die eine Hälfte wurde über 12 Monate mit Paroxetin behandelt. Die anderen Patienten erhielten entweder ein Placebo oder eine Psychotherapie.
Wie von anderen Studien zur Wirkung der SSRI her bekannt ist, besserten sich die Depressionen bei vielen Patienten auch unter Placebo. Hier kam es aber nur zu einer unwesentlichen Veränderung in den Persönlichkeitsmerkmalen Neurotizismus und Extraversion. Ganz im Gegenteil dazu kam es unter den SSRI zu einer 6,8-fach stärkeren Veränderung von Neurotizismus und zu einer 3,5-fach stärkeren Änderung der Extraversion als im Placebo-Arm. Die Auswirkungen der kognitiven Therapie lagen dazwischen.
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