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Donnerstag, 10. Dezember 2009
„Mini“-Stammzelltransplantation bessert Sichelzellanämie

Baltimore – Eine allogene hämatologische Stammzelltransplantation kann eine Sichelzellanämie auf Dauer heilen. Wegen der hohen Risiken wird sie aber selten durchgeführt. US-Mediziner schlagen deshalb eine „Mini“-Stammzelltransplantation vor, die sich in einer Phase-I/II-Studie im New England Journal of Medicine (2009; 361: 2309-2317) jetzt als effektiv erwiesen hat.

Die Ursache der Sichelzellanämie ist eine Mutation im Hämoglobin-Gen, die zum Austausch einer Aminosäure führt. Dies steigert die Neigung des Hämoglobins zur spontanen Polymerisation. Die Erythrozyten nehmen die typische Sichelform an, die ihre Flexibilität und Haltbarkeit herabsetzt.

Folge sind Hämolyse, Anämie und eine erhöhte Neigung zur Thrombosierung. Die Patienten erkranken im frühen Lebensalter an Schlaganfall oder erleiden sehr schmerzhafte Organschäden in Lunge, Leber und Nieren. Der Austausch des hämatopoetischen Systems durch eine allogene Knochenmarktransplantation kann den Gendefekt beheben. Er erfordert aber eine myeloablative Konditionierung zur Beseitigung des alten Systems, welche die Patienten vorübergehend in eine lebensgefährliche Immunsuppression fallen lässt.

In einer Studie aus Frankreich starben 6 von 87 Patienten (Blood 2007; 110: 2749-2756). In einer anderen Studie war aufgefallen, dass die allogene Stammzelltransplantation auch dann die Sichelzellanämie zurückdrängt, wenn die myeloablative Konditionierung nicht restlos erfolgreich war. Bei diesen Patienten war es zu einem Chimärismus gekommen, einer gewissermaßen friedlichen Koexistenz zwischen altem und neuem System.

Das führte zu dem Konzept der “Mini”-Stammzelltransplantation, bei der die Konditionierung soweit abgeschwächt wird, dass keine Lebensgefahr mehr für die Patienten besteht.

In der jetzt vorgestellten Studie wurden die Patienten (10 Erwachsene im Alter von 16 bis 45 Jahren) über 5 Tage mit Alemtuzumab (gegen CD52-Lymphozyten gerichteter monoklonaler Antikörper) behandelt, es folgte eine Ganzkörperbestrahlung (in einer geringen Dosis von 300 cGy) und zwei Tage später die Stammzelltransplantation.

Alle Patienten überlebten die Therapie und bei neun der zehn Patienten kam es zu einem Chimärismus, wie die Gruppe um Jonathan Powell vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore berichtet. Der Hämoglobinwert stieg von 9,0 g/dl auf 12,6 g/dl an. Die Hämolysemarker sanken und kein Patient ist bisher an weiteren Schlaganfällen erkrankt.

In einem anderen Bereich war die Therapie weniger erfolgreich als erhofft. Die Forscher hatten erwartet, dass die neuen Stammzellen die alten nach einer Weile vollständig verdrängen. Dies war aber auch zwei Jahre nach der “Mini”-Transplantation nicht der Fall.

Dies bedeutet, dass die Patienten weiterhin das Immunsuppressivum Sirolimus einnehmen müssen und den Nebenwirkungen dieses Wirkstoffs ausgesetzt sind: Bei zwei Patienten kam es zu einer Pneumonitis und in zwei Fällen zu einer Arthralgie.

Trotz der guten Verträglichkeit des “Mini”-Transplantates müssen deshalb Vor- und Nachteile der Behandlung gegeneinander abgewogen werden. Ein weiteres Problem ist die Notwendigkeit eines HLA-verwandten Spenders, der in der Studie nur bei jedem fünften Kandidaten zur Verfügung stand. © rme/aerzteblatt.de

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