Frankfurt/Main – Nach den jüngsten Schätzungen zur Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) halten die Kassen Zusatzbeiträge für Millionen von Versicherten für unausweichlich. Die designierte Vorstandsvorsitzende der Barmer/Gmünder Ersatzkasse, Birgit Fischer, sagte der „Frankfurter Rundschau“ vom Freitag, das für 2010 prognostizierte Minus von vier Milliarden Euro bedeute eine bedrohliche Lücke. „Wir fühlen uns leider bestätigt: Der Gesundheitsfonds ist so angelegt, dass es auf Sicht Zusatzbeiträge bei allen Kassen geben wird“, sagte sie.
Nach den Regeln des Gesundheitsfonds müssen Kassen, die trotz Steuerhilfen nicht über die Runden kommen, ihren Mitgliedern Zusatzbeiträge aufbürden, die allein von den Versicherten zu tragen sind. Fischer sagte, sie befürchte, dass die Zusatzbeiträge im Laufe des Jahres zur Regel werden.
Die Barmer/Gmünder Ersatzkasse mit rund 8,5 Millionen Versicherten werde nicht bei der ersten Welle von Zusatzbeiträgen zum Jahreswechsel dabei sein. Sie könne sich aber definitiv nicht festlegen, ob ihr Unternehmen diesen Kurs im weiteren Jahresverlauf durchhalten könne.
Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, sagte der Zeitung: „Ein Fehlbetrag von vier Milliarden Euro ist keine Kleinigkeit." Daher begrüße er die Klarstellung von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), dass es für niemanden einen Freibrief gebe, auch nicht für Ärzte, Kliniken oder die Pharmaindustrie.
Auch BKK-Sprecherin Christine Richter hält Zusatzbeiträge auf breiter Front für „durchaus wahrscheinlich“, sagte sie dem Kölner Stadtanzeiger vom Freitag. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnete damit, „dass sehr viele Kassen in den kommenden Monaten ein akutes Finanzproblem bekommen und dann Zusatzbeiträge erheben müssen“.
Die zusätzlichen Krankenkassenbeiträge bringen jedoch einen hohen bürokratischen Aufwand mit sich. „Ein beträchtlicher Teil der zusätzlichen Einnahmen wird von der Bürokratie gleich wieder aufgefressen“, sagte ein Sprecher der Barmer Ersatzkasse.
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