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Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung hoch

Montag, 14. Dezember 2009

Berlin – Der Trend zum exzessiven Trinken unter Kindern und Jugendlichen ist offenbar ungebrochen. Dabei werden nach Angaben von Suchtexperten die Jungen und Mädchen, die volltrunken auf Straßen und Plätzen aufgefunden werden, auch immer jünger.

Die Zahl sehr junger Menschen, die mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert werden, sei „erschreckend hoch“, sagte die neue Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) am Wochenende in Berlin.

Nach einer im Frühjahr bekanntgewordenen Erhebung müssen in Deutschland täglich durchschnittlich mehr als 60 Jugendliche sturzbetrunken und teils bewusstlos in eine Klinik gebracht werden.

Damit hat sich die Zahl nach Angaben von Suchtexperten seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Demnach betreibt jeder fünfte der 12- bis 17-Jährigen „Binge Drinking“, das heißt, trinkt fünf oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit. Nach Einschätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Rauschtrinken ein Gruppen-Phänomen.

Zwar nehme der Alkoholkonsum bei den Jugendlichen insgesamt etwas ab, jedoch sei die Gruppe intensiver junger Trinker „besorgniserregend“, sagte Dyckmans. „Ich befürchte, dass dieser Trend zum Komasaufen in diesem Jahr weiter zugenommen hat.“ Genaue Aussagen könne sie jedoch erst treffen, wenn ihr neue Zahlen vorlägen.

Trauriger Höhepunkt dürfte gewesen sein, als Anfang November ein sieben Jahre alter Junge mit einer lebensgefährlichen Alkoholvergiftung in eine Klinik in Berlin eingeliefert werden musste. Bei dem Kind wurde nach Polizeiangaben ein Blutalkoholwert von zwei Promille festgestellt. Anwohner fanden das Kind auf dem Gehweg, der Junge übergab sich und zitterte. Er soll auf einem Spielplatz von 17- bis 19-Jährigen ein Wodka-Cola-Gemisch bekommen haben.

Und die Zahl der hilflos Betrunkenen in der Öffentlichkeit nimmt rapide zu. Nach Angaben der Polizei griffen die Beamten im ersten Halbjahr 2009 allein in Berlin fast 1.100 alkoholisierte Kinder und Jugendliche auf.

Damit kümmerten sich die Beamten in den ersten sechs Monaten um fast so viele wie im gesamten Jahr 2008, als es rund 1.200 waren. Dabei handele es sich nur um die der Polizei bekanntgewordenen Fälle, sagte ein Sprecher. „Insgesamt muss von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden.“

Dies sei kein Phänomen von Berlin, sondern solche Entwicklungen seien vielerorts in Deutschland zu beobachten, sagte die Drogenbeauftragte. „Dabei dürften diese Kinder und Jugendlichen nach dem Jugendschutzgesetz überhaupt keinen Zugang zu alkoholischen Getränken haben“, betonte sie. Hier wolle sie ansetzen und die Kontrollen verstärken.

„Ich will den Einzelhandel mit ins Boot nehmen, den Verband überzeugen, dass junge Leute besser geschützt werden müssen“, sagte Dyckmans. Die Tankstellenverbände hätten mit ihrer Initiative den richtigen Schritt gemacht. Die dortigen Mitarbeiter würden geschult, Aushänge wiesen darauf hin, dass jung aussehende Kunden ihren Ausweis vorzeigen müssten.

Baden-Württembergs Initiative, an Tankstellen im kommenden Jahr zwischen 22.00 und 5.00 Uhr keinen Alkohol mehr zu verkaufen, sieht die Drogenbeauftragte mit Skepsis. „Ich bezweifle, dass dies den richtigen Erfolg haben wird, weil die Jugendlichen sich vorher mit Alkohol eindecken werden.“

Effektiver finde sie den Vorstoß, dass sich in Problemgegenden, im Umfeld von Diskotheken oder Fußballstadien, Pächter von Tankstellen mit der Polizei und den Jugendämtern zusammensetzen und beraten, wie Trinkgelage möglichst verhindert werden könnten. © ddp/aerzteblatt.de

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