New York City – Die Einnahme von Antidepressiva war in einer prospektiven Beobachtungsstudie in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 2128-2139) mit einer erhöhten Rate von Schlaganfällen und einer erhöhten Gesamtsterblichkeit assoziiert. Für Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wurde ein erhöhtes Risiko von hämorrhagischen Insulten gefunden.
Seit den 90er-Jahren haben sich in den USA die Verordnungen von Antidepressiva verfünffacht. Immer häufiger werden auch Patienten mit leichteren Depressionen behandelt, darunter sind viele postmenopausale Frauen.
Das Team um Sylvia Wassertheil-Smoller vom Albert Einstein College of Medicine in New York City hat deshalb die Auswirkungen der Therapie auf die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Zielgruppe untersucht, wobei sich die Women's Health Initiative (WHI) anbot, die mehr als 160.000 postmenopausale US-Frauen seit nunmehr bis zu 15 Jahren nachbeobachtet.
Im Zentrum des Interesses stand die Auswirkung der heute bevorzugten SSRI auf das kardiovaskuläre Risiko. Da nämlich Serotonin an der Thrombozytenaggregation beteiligt ist, wurden SSRI, die die Konzentration von Serotonin – zumindest im Gehirn – senken, eine mit Aspirin vergleichbare Wirkung nachgesagt.
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Erhöht war indes das Risiko auf einen Schlaganfall. Postmenopausale Frauen, die SSRI einnehmen, erkranken zu 45 Prozent häufiger als andere an einem Schlaganfall. Auch das Gesamtsterberisiko war um 32 Prozent erhöht. Die Assoziationen waren signifikant. Das absolute Risiko ist aber gering.
Das absolute Schlaganfallrisiko steigt durch SSRI von 2,99 auf 4,16/1000 Personenjahre. Die Sterberate steigt von 7,79 auf 12,77/1.000 Personenjahre. Ähnliche Zahlen wurden für die Trizyklika gefunden. Da SSRI häufig eingesetzt werden, ist dies sicherlich ein Befund, der zu denken gibt. Vor allem weil bei den SSRI das Risiko von hämorrhagischen Schlaganfällen erhöht ist.
Die Autoren errechnen eine Hazard Ratio von 2,12. Da hämorrhagische Insulte oft tödlich verlaufen, war die Einnahme von SSRI auch mit einer deutlich erhöhten Rate von tödlichen Schlaganfällen (Hazard Ratio 2,10) assoziiert. Diese Ergebnisse ließen sich plausibel durch eine mit Aspirin vergleichbare Wirkung von SSRI erklären, zumal ja auch das Risiko von Hirnblutungen der wesentliche Einwand gegen eine allgemeine KHK-Prophylaxe mit ASS ist.
Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien bleiben Zweifel an der Kausalität bestehen. Sicher erscheint aber, dass eine kardiovaskuläre Prävention sicherlich nicht zu den Begleiterscheinungen der SSRI gehören, die nach Ansicht vieler Experten in den USA ohnehin zu großzügig verschrieben werden.
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