Krebsgenom: Wie Sonne und Tabak das Erbgut schädigen
Donnerstag, 17. Dezember 2009
dpa
Cambridge – Nicht weniger als 22.910 Mutationen hat ein Forscherkonsortium im Genom des kleinzelligen Bronchialkarzinoms gefunden. Beim malignen Melanom waren es sogar 33.345 Veränderungen, wie das Team in Nature (2009; doi: 10.1038/nature08629 und 08658) berichtet.
Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat sich die Forschung dem Erbgut menschlicher Krebserkrankungen zugewendet. Die beiden wichtigsten Akteure sind das Cancer Genome Atlas Program des US-National Cancer Institute und das International Cancer Genome Consortium, das vom britischen Sanger Institute initiiert wurde.
Im Verlauf eines Jahres wurden mit dem Glioblastom, der akuten myeloischen Leukämie und dem Mammakarzinom die ersten drei Krebsgenome vorgestellt. Jetzt folgen als Nummer vier und fünf das Maligne Melanom und das kleinzellige Bronchialkarzinom.
Es sind die Genome der beiden ersten Krebserkrankungen, die durch vermeidbare Risikofaktoren ausgelöst werden, nämlich dem UV-Licht (auch wenn die Ätiologie beim Malignen Melanom nicht so eindeutig ist wie beim Spinaliom) und dem Tabakrauch (auch wenn das kleinzellige Bronchialkarzinom die seltenere Lungenkrebsvariante ist).
Dass so viele Mutationen gefunden wurden, ist nicht weiter erstaunlich, da UV-Licht und die vielen Karzinogene im Tabakrauch das Genom eher wahllos schädigen. Wenn Erin Pleasance vom Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge und Mitarbeiter eine ungleichmäßige Streuung der Mutationen über das Genom entdeckten, spricht dies möglicherweise für eine gezielte DNA-Reparatur, die ein zelleigener Abwehrmechanismus gegen Krebserkrankungen ist und deren Ausfall (etwa beim BRCA1/2-Gen des Mammakarzinom) das Risiko auf einen Krebs stärker erhöht als langjähriges Rauchen.
Eine Aussage der Autoren, nach der jede einzelne Zigarette im Durchschnitt 15 Mutationen auslöst, ist mehr plakativ als wissenschaftlich fundiert. Denn nur eine geringe Zahl der Mutationen dürfte als Auslöser der Krebserkrankung infrage kommen. Bei den meisten wird es sich um Folgen einer unkontrollierten Zellteilung im Tumor handeln.
Ursache und Wirkung wird man erst unterscheiden können, wenn die Krebsgenomen bei einer Vielzahl von Patienten verglichen werden können, wovon die Forscher noch weit entfernt sind.
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"Eine Aussage der Autoren, nach der jede einzelne Zigarette im Durchschnitt 15 Mutationen auslöst, ist mehr plakativ als wissenschaftlich fundiert."
wenn man schon besserwisserisch andere kritisieren muss, sollte man erst etwas recherchieren? denn dem original-artikel zufolge verursachen 15 zigaretten EINE mutation und nicht umgekehrt. natuerlich kann es sein, dass der autor den dummen fehler von spiegel-online einfach kopiert...
"Bei den meisten wird es sich um Folgen einer unkontrollierten Zellteilung im Tumor handeln. "
eher fraglich...die meisten mutationen bewirken gar nichts!
Leserkommentare
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