Melbourne – Seine Zigarre hat der Weihnachtsmann schon lange abgegeben und mit einem alkoholischen Getränk in der Hand ist er nur noch auf historischen Weihnachtskarten zu sehen. Jetzt soll „Santa Claus“ auch noch auf seinen Schlitten verzichten, die Geschenke zu Fuß ausliefern, und statt Kekse auf den Weihnachtsmärkten Karotten- und Selleriestangen verteilen, fordert ein Epidemiologe im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b5261).
Dabei verhält sich der Weihnachtsmann selber alles andere als vorbildlich. Für Nathan Grills von der Monash Universität in Melbourne ist „Santa Claus“ geradezu ein Gesundheits-Paria: Adipös, träge und wahrscheinlich auch noch Alkoholiker (rote Nase), der vorzugsweise kaloriendichte Süßigkeiten an Kinder verteilt. Studien belegen laut Grills, dass die Adipositas bei Kindern vor allen in jenen Ländern verbreitet ist, in denen der Weihnachtsmann verehrt wird. Nur eine zufällige Assoziation?
Bedenklich ist auch der weit verbreitete Brauch, den Weihnachtsmann mit einen alkoholischen Getränk zu verabschieden. Wer da mehrere Familien auf der Auftragsliste hat, ist schneller blau als komatrinkende Jugendliche.
Was den Kindern (am unteren Ende der Auftragsliste) nicht verborgen bleibt. Einige dürften sich fragen, wie er denn im volltrunkenen Zustand seinen Rentierschlitten sicher ans Ziel lenkt. Ein Vorbild für defensive Fahrweise ist der über Dächer surfende Weihnachtsmann auch im nüchternen Zustand nicht. Und niemals, so Grills, werde er mit angelegtem Sicherheitsgurt und mit Helm abgebildet.
Gerade im Winter, auf dem Höhepunkt der Grippewelle, sind Weihnachtsmänner, die in Supermärkten Kleinkinder auf den Arm nehmen, ein nicht zu unterschätzendes Infektionsrisiko. Mindestens zehnmal am Tag würden die Darsteller von verschnupften Kindern angeprustet. Und mit dem harmlosen Küsschen würden sicher nicht nur Influenzaviren übertragen, sondern vielleicht auch das Pfeiffersche Drüsenfieber, mutmaßt Grills.
Gesundheitsprüfungen der Darsteller oder eine Impfpflicht für Weihnachtsmänner gibt es in der Regel nicht. Auch eine Desinfektion von Händen und Wange nach jedem neuen Kindskontakt ist nicht vorgesehen. Zu einem echten Risiko aber werden Weihnachtsmänner im Fall einer Pandemie. Die von der WHO vorgesehenen Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen greifen beim Weihnachtsmann nicht, da dieser bekanntlich andere Verkehrsmittel benutzt.
zum Thema |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.