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Mittwoch, 23. Dezember 2009
Weihnachtsmann als Gesundheitsrisiko

Melbourne – Seine Zigarre hat der Weihnachtsmann schon lange abgegeben und mit einem alkoholischen Getränk in der Hand ist er nur noch auf historischen Weihnachtskarten zu sehen. Jetzt soll „Santa Claus“ auch noch auf seinen Schlitten verzichten, die Geschenke zu Fuß ausliefern, und statt Kekse auf den Weihnachtsmärkten Karotten- und Selleriestangen verteilen, fordert ein Epidemiologe im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b5261).

In vielen Ländern ist der Weihnachtsmann bekannter als der Papst. In den USA schlägt er – allen Marketingbemühungen der Fast-Food-Kette zum Trotz – sogar Ronald McDonald. Die in den 30er-Jahren von Coca Cola eingeführte Werbe-Ikone ist zweifellos eine der bekanntesten Figuren überhaupt.

Und Kindern bleibt es lebenslang im Gedächtnis, wenn sie im Einkaufszentrum auf seinem Schoß sitzen dürfen oder am Weihnachtsabend vom verkleideten Nachbar oder Verwandten die Geschenke persönlich überreicht bekommen. Nach der obligatorischen Frage, ob sie denn auch schön brav gewesen sind.  

Dabei verhält sich der Weihnachtsmann selber alles andere als vorbildlich. Für Nathan Grills von der Monash Universität in Melbourne ist „Santa Claus“ geradezu ein Gesundheits-Paria: Adipös, träge und wahrscheinlich auch noch Alkoholiker (rote Nase), der vorzugsweise kaloriendichte Süßigkeiten an Kinder verteilt. Studien belegen laut Grills, dass die Adipositas bei Kindern vor allen in jenen Ländern verbreitet ist, in denen der Weihnachtsmann verehrt wird. Nur eine zufällige Assoziation?

Bedenklich ist auch der weit verbreitete Brauch, den Weihnachtsmann mit einen alkoholischen Getränk zu verabschieden. Wer da mehrere Familien auf der Auftragsliste hat, ist schneller blau als komatrinkende Jugendliche.

Was den Kindern (am unteren Ende der Auftragsliste) nicht verborgen bleibt. Einige dürften sich fragen, wie er denn im volltrunkenen Zustand seinen Rentierschlitten sicher ans Ziel lenkt. Ein Vorbild für defensive Fahrweise ist der über Dächer surfende Weihnachtsmann auch im nüchternen Zustand nicht. Und niemals, so Grills, werde er mit angelegtem Sicherheitsgurt und mit Helm abgebildet.

Gerade im Winter, auf dem Höhepunkt der Grippewelle, sind Weihnachtsmänner, die in Supermärkten Kleinkinder auf den Arm nehmen, ein nicht zu unterschätzendes Infektionsrisiko. Mindestens zehnmal am Tag würden die Darsteller von verschnupften Kindern angeprustet. Und mit dem harmlosen Küsschen würden sicher nicht nur Influenzaviren übertragen, sondern vielleicht auch das Pfeiffersche Drüsenfieber, mutmaßt Grills.

Gesundheitsprüfungen der Darsteller oder eine Impfpflicht für Weihnachtsmänner gibt es in der Regel nicht. Auch eine Desinfektion von Händen und Wange nach jedem neuen Kindskontakt ist nicht vorgesehen. Zu einem echten Risiko aber werden Weihnachtsmänner im Fall einer Pandemie. Die von der WHO vorgesehenen Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen greifen beim Weihnachtsmann nicht, da dieser bekanntlich andere Verkehrsmittel benutzt.

Grills fordert vorbildlichere Weihnachtsmänner. Übergewichtige sollten für diesen Job nicht mehr zugelassen werden und statt auf einem Schlitten sollte „Santa Claus“ sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegen. Statt Schokolade und Milchschnitte sollte er Möhren und Selleriestangen verteilen. Eine vorbildliche Darstellung auf Postkarten wäre ein schlanker sportlicher Weihnachtsmann, der sich auf dem Laufergometer auf seine anstrengende Weihnachtstour vorbereitet. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare
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polmu am Mittwoch, 30. Dezember 2009, 08:50
Dieser Artikel ist wohl 99 Tage zu früh
erschienen!
Thelber am Montag, 28. Dezember 2009, 23:03
Gute Anregungen dabei !
Unser Weihnachtsmann brachte schon vor 45 Jahren immer Mandarinen,Orangen, Feigen, Nüsse, ....

Die hat er nicht einfach nur ausgeteilt, nein, er kippte alles im Wohnzimmer aus !! Was wir da immer unterm Tisch rumwuselten, um die Nüsse aufzulesen, das hat mehr als die Kalorien verbraucht, die wir anschließend beim Nüsse essen zu uns nahmen - einmal abgesehen vom Energieaufwand beim Knacken derselben ;-)
KrankerPfleger am Donnerstag, 24. Dezember 2009, 11:27
Ungerecht ist der auch!
Diese versoffene Witzfigur also traktiert die Kinder der reichen Welt mit Geschenken und droht ihnen aber auch mit roher Gewalt in Gestalt einer Rute. Doch bleibt diese Drohung leer, denn er darf sie heutzutage nicht mehr einsetzen, körperliche Gewalt gegen Kinder ist zum Glück gesetzlich verboten. Um die seelische kümmert sich keiner. Doch auch die Rute ist im Zuge maximaler Kommerzialisierung des angeblichen Wiegenfestes eines Religionsstifters wegrationalisiert, denn wirklich geschäftsfördernd ist das Instrument ehemaligen kindlichen Schreckens nicht. http://mug.im/yael6
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