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Desinfektionsmittel fördert Antibiotikaresistenz

Montag, 28. Dezember 2009

Galway – Das häufig verwendete Desinfektionsmittel Benzalkoniumchlorid kann im Problemkeim Pseudomonas aeruginosa die Entwicklung einer Resistenz gegen das Antibiotikum Ciprofloxacin fördern. Die Ursache der „Kreuzresistenz“ ist nach Experimenten in Microbiology (2010; 156: 30-38) die Selektion einer Mutante, die zum beschleunigten Export beider Substanzen durch die Bakterienwand führt.

Benzalkoniumchlorid ist in vielen Desinfektionsmitteln und übrigens auch in vielen Haushaltsreinigungsmitteln enthalten. Es hat eine breite Wirkung gegen Bakterien, Pilze, Hefen und Algen und angeblich in geringem Maße auch gegen Viren.

Benzalkoniumchlorid zerstört molekulare Verbindungen in den Mikroorganismen, doch einige Erreger haben eine Gegenstrategie entwickelt. Sie transportieren die giftige Chemikalie über eine Membranpumpe nach außen.

Wie Gerard Fleming von der National University of Ireland in Galway zeigen kann, ist es die gleiche Efflux-Pumpe, mit der auch das Antibiotikum Ciprofloxacin entsorgt wird. Der entsprechende Resistenzstamm PA-29 von Pseudomonas aeruginosa hatte in den Kulturen eine mehr als 12-fach verminderte Sensitivität auf das Biozid. Gleichzeitig war die Resistenz gegen Ciprofloxacin um den Faktor 256 erhöht.

Fleming kann ferner zeigen, dass subinhibitorische Konzentrationen von Benzalkoniumchlorid die Entwicklung einer Ciprofloxacin-Resistenz fördern. Bei höheren Konzentrationen des Biozids kam es in den Laborversuchen dagegen niemals zur Selektion der genetisch vermittelten Resistenzen.

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Dass Benzalkoniumchlorid die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen fördern kann, ist keine neue Beobachtung. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Europäischen Kommission weist auf das Problem der „Kreuzresistenz“ von Bioziden mit Antibiotika hin, das keineswegs auf Benzalkoniumchlorid und Ciprofloxacin beschränkt ist.

Ihre klinische Relevanz ist noch unklar, auch wenn aus Brasilien kürzlich Erkrankungsfälle mit resistenten Mycobacterium massiliense bekannt wurden, die angeblich durch eine Sterilisationsflüssigkeit induziert wurden.

Fleming hält es für denkbar, dass die Resistenzentwicklung durch die Kombination mehrerer Biozide in den einzelnen Desinfektionsmitteln vermieden werden könnte. Untersuchungen hierzu gibt es aber offenbar noch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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