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Ursache für häufigste tödliche Bluttransfusionsreaktion gefunden

Dienstag, 5. Januar 2010

Hagen/Greifswald – Deutsche Genforscher haben eine neue „Blutgruppe“ entdeckt. Ein Protein auf der Oberfläche von neutrophilen Granulozyten ist ihrem Bericht in Nature Medicine (2009; doi: 10.1038/nm.2070) zufolge für die TRALI-Reaktion verantwortlich, die derzeit noch häufigste tödliche Bluttransfusionsreaktion.
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Zu einer Bluttransfusionsreaktion kommt es, wenn das Spenderblut Antikörper gegen Antigene des Empfängers enthält. Bei den ABO-Inkompatibilitäten und im Rhesus-System sind dies bestimmte Proteine auf den Erythrozyten. Die Transfusion löst dann eine Hämolyse aus.

Es gibt aber auch Bluttransfusionsreaktionen, bei denen die Antikörper des Spenders Leukozyten angreifen. Dazu gehört die transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz oder TRALI-Reaktion. Die Patienten erkranken wenige Stunden nach der Bluttransfusion an akuter Dyspnoe, oft begleitet von einer arteriellen Hypotonie und Fieber. Auf dem Röntgenthorax sind ausgedehnte Lungeninfiltrate als Zeichen eines Lungenödems zu erkennen.

TRALI-Reaktionen sind selten (Inzidenz 1:55.000), sie können jedoch tödlich verlaufen (Letalität: 10 Prozent). Dass Antikörper des Spenders für die Reaktion verantwortlich sind, war bekannt. Meistens handelt es sich übrigens um Mehrfachgebärende, die sich wie bei der Rhesus-Inkompatibilität bei der Geburt eines Kindes sensibilisiert haben.

Trotz langjähriger Forschung war jedoch nicht bekannt, welches Antigen auf den Leukozyten von den Antikörpern angegriffen wird. Auch die Arbeitsgruppe um Jürgen Bux und Angelika Reil vom DRK-Blutspendedienst West in Hagen/Nordrhein-Westfalen und Andreas Greinacher von der Universität Greifswald mussten drei Jahre intensive Forschungsarbeit investieren, in der sie große Menge Leukozyten aufbereiteten und anschließend mit Antikörpern nach möglichen Zielstrukturen molekularbiologisch „angelten“.

Schließlich wurde das “human neutrophil alloantigen-3a (HNA-3a) identifiziert. Mithilfe der Datenbank des Humanen Genomprojektes wurde das Gen mit der Erbinformation gefunden. Die Forscher konnte es in Bakterien einschleusen und gentechnologisch herstellen.

Es steht damit in ausreichender Menge zur Verfügung, um einen neuen einfachen Nachweistest für Spender zu entwickeln. Die Forscher rechnen damit, dass er von den Blutbanken dankbar aufgegriffen wird und die Sicherheit von Blutprodukten weiter erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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