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Länder wollen weniger Schweinegrippe-Impfdosen ordern

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Dresden/München – Nach wochenlangem Drängen der Bundesländer scheint sich im Streit um nicht benötigte Impfdosen gegen die Schweinegrippe eine Lösung abzuzeichnen. Der Hersteller GlaxoSmithKline ist angesichts der geringen Impfbereitschaft in Deutschland zu Nachverhandlungen über die bestellte Menge bereit.

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Zwar werde zunächst wie vertraglich vereinbart weiter produziert, sagte Unternehmenssprecherin Anke Helten am Mittwoch in München. Am 7. Januar sollen mit Bund und Ländern jedoch Verhandlungen über die Reduzierung der Liefermengen beginnen.

Die Landesgesundheitsminister wollen nur noch die Hälfte der 50 Millionen bestellten Impfdosen gegen die Schweinegrippe abnehmen. Da eine einmalige Schutzimpfung pro Person ausreiche, seien 25 Millionen Dosen genug, sagte der Staatssekretär im Thüringer Gesundheitsministerium, Hartmut Schubert (SPD). Dies hätten die Länder dem Pharmakonzern bereits mitgeteilt.

Bei der ursprünglichen Bestellung sei noch von einer Zweifach-Impfung ausgegangen worden, somit habe sich die Vertragsgrundlage für die Abnahme geändert, argumentierte der Staatssekretär. Thüringen hat noch bis Jahresende den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder inne.

Deutschland hat nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weltweit Schweinegrippe-Impfdosen zum Verkauf angeboten. Derzeit gebe es Gespräche mit zehn Staaten über eine Impfstoff-Lieferung. Nach wie vor liege beim Impfstoff das wirtschaftliche Risiko ausschließlich bei den Bundesländern, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Gudrun Kopp (FDP), sagte, Moldawien, Mazedonien, der Kosovo, Albanien, die Mongolei und die Ukraine hätten Impfstoff im Rahmen von Entwicklungshilfe angefragt. Die Staaten hielten aber den von den Ländern geforderten Preis von sieben Euro pro Impfdosis für nicht marktgerecht. „Wenn die Länder Impfstoff verkaufen wollen, müssen sie mit dem Preis heruntergehen“, sagte die Staatssekretärin.

Der Stadt Hamburg droht ein Verlust von mehreren Millionen Euro, weil sie womöglich auf einem Großteil ihres Impfstoffs gegen die Schweinegrippe sitzen bleibt. Nur knapp 100.000 Bürger, etwa sechs Prozent der Einwohner, hätten sich bislang impfen lassen, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt. In der Behörde lagerten noch rund 200.000 Impfdosen, insgesamt seien mehr als eine Million Dosen bestellt worden.

In Sachsen sind nach Auskunft des zuständigen Sozialministeriums bislang 544.000 Impfdosen ausgeliefert worden. Weitere zwei Millionen werden laut den Verträgen noch produziert. Ob dies jedoch in vollem Umfang geschehe, würden die Verhandlungen der nächsten Woche zeigen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Unternehmenssprecherin hingegen sagte, die Produktion im Dresdner Serumwerk sei aufwendig und lasse sich nicht einfach von heute auf morgen stoppen. Rund 18 Millionen Dosen seien bereits produziert. Zudem sei die Schweinegrippe noch nicht überstanden, sagte Helten.

Es müsse in den nächsten Monaten mit weiteren Wellen gerechnet werden; dann werde voraussichtlich auch die Impfbereitschaft in der Bevölkerung wieder steigen. Zudem sei die Impfbereitschaft in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich. In Schweden beispielsweise habe sich jeder Zweite immunisieren lassen, sagte Helten.

Eine Dosis des Impfstoffes Pandemrix kostet etwa acht Euro in der Anschaffung. Die Krankenkassen zahlen aber nur den Impfstoff, der tatsächlich verabreicht wird.

Nach Angaben der Krankenkasse KKH-Allianz wird wegen der Schweinegrippe offenbar auch die Impfung gegen die saisonale Grippe stärker nachgefragt. Die abgerechneten Impfrezepte hätten sich im Monat November im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt. "Grund für den Anstieg könnte eine erhöhte Inanspruchnahme der jährlichen Grippeschutzimpfung sein", erklärte Sven Seißelberg, Apotheker bei der KKH-Allianz.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin gibt die Zahl der bundesweiten Schweinegrippe-Fälle mit 210.000 an. Im Zusammenhang mit einer Infektion seien bislang 132 Menschen gestorben. © ddp/afp/aerzteblatt.de

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