Montgomery: Neue Zeitrechnung in der Gesundheitspolitik
Donnerstag, 7. Januar 2010
Frank Ulrich Montgomery /ddp
Berlin – „Die Ära Schmidt ist vorbei. In der Gesundheitspolitik hat eine neue Zeitrechnung begonnen“, erklärte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, zu Beginn des 34. Interdisziplinären Forums „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ in Berlin.
Anzeige
Die neue Regierung habe viele Defizite im Gesundheitssystem erkannt und große Ziele definiert. Doch der Fahrplan für den Systemwechsel sei offensichtlich noch nicht freigegeben. „Ich erwarte nicht, dass vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen noch viel passieren wird. Wir sollten aber die Wartezeit nutzen, um wenigstens für die akuten Probleme die Lösungswege freizuschalten“, sagte Montgomery.
Dazu gehöre die dringend notwendige Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte. „Die bisherige Gebührentaxe muss auf eine gerechte, kalkulatorisch saubere betriebswirtschaftliche Basis gestellt werden“, forderte der Vizepräsident der Bundesärztekammer.
Einer sogenannten Öffnungsklausel, die den Krankenversicherern eine individuelle Absprache von Preisen mit einzelnen Ärzten erlauben würde, erteilte er eine klare Absage. „Eine solche Möglichkeit für Preisabsprachen ohne hinreichende Transparenz kommt nur den Preisdumpingbestrebungen der privaten Krankenversicherung entgegen“, kritisierte er.
Die Umstellung der GKV-Finanzierung auf eine Kopfpauschale hält Montgomery für „vernünftig“. Das jetzige System sei „auf Dauer nicht finanzierbar“, fügte er hinzu. In den kommenden zehn bis 15 Jahren stießen die bisherigen Strukturen wegen der Alterung der Gesellschaft an ihre Grenzen. Montgomery mahnte, der Übergang könne aber nicht abrupt, sondern müsse schrittweise erfolgen.
Montgomery sprach sich zudem dafür aus, noch vor den Beratungen über eine Finanzreform der Krankenkassen die Versorgungsforschung zu intensivieren: „Die Bundesärztekammer hat hier aus Eigenmitteln über fünf Jahre große Vorleistungen für einen Forschungsbereich erbracht, der zum zielgenauen Einsatz der Mittel und zur qualitätsgerechten Versorgung unserer Patienten unabdingbar geworden ist.“ Die Ergebnisse der Versorgungsforschung würden die Finanzdebatte durch konkrete Unterfütterung mit Fakten erleichtern.
Längst überfällig sei auch eine Klarstellung des Gesetzgebers, dass Medizinische Versorgungszentren vorrangig in die Hände von Ärzten und nur nachrangig auch in die von Krankenhäusern gehörten.
Auf dem Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer werden bis zum 9. Januar neue therapeutische Verfahren zur Behandlung von Krebs, Depressionen und Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches vorgestellt.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.