Ethiker zweifelt an Heilsversprechen der Stammzellforschung
Donnerstag, 7. Januar 2010
Tübingen – Der Tübinger Ethiker Dietmar Mieth glaubt nicht an die Heilung schwerer Krankheiten durch die embryonale Stammzellforschung. Es werde immer deutlicher, dass die „weitgefassten Therapieversprechungen“ unerfüllbar seien, sagte Mieth am Donnerstag in Tübingen. Er kritisierte, dass Medien und Öffentlichkeit die mit neuen wissenschaftlichen Entwicklungen verknüpften „plakativen Heilsversprechungen“ zu wenig kritisch hinterfragten. „Ich beklage hier mangelnde Transparenz“.
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Der 69-Jährige ist einer der renommiertesten katholischen Ethiker in Deutschland. Er wird am Freitag mit einem Festakt der Universität Tübingen verabschiedet, wo er seit 1981 lehrte. Dort baute er auch das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften auf. Als Berater wirkte er in zahlreichen Gremien und Kommissionen bei ethischen Debatten mit.
Zu Mieths Arbeitsfeldern gehören Fragen der Gentechnik, Sportethik oder der Menschenwürde und Selbstbestimmung. Seit Jahren arbeitet er auch über den spätmittelalterlichen Denker Meister Eckhart. Mieth will sich bis zum Sommer aus der akademischen Lehre in Tübingen zurückziehen. Er bleibt weiterhin in der Bioethikkommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie im Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt aktiv.
Der Ethiker beklagte er die in Deutschland wachsende Kinderarmut. Im Sozialbereich müssten andere Prioritäten gesetzt werden, damit der „Skandal armer Kinder in Deutschland nicht weiterbesteht“. Auch sei zu fragen, ob man die „deutschen militärischen Einsätze nicht anders lenken könnte, um eine freiere Hand für Soziales“ zu gewinnen.
Den menschenwürdigen Umgang mit einer wachsenden Zahl von Alten nannte Mieth eine zentrale Herausforderung der deutschen Gesellschaft. Kranke dürften nicht in die Lage gedrängt werden, in der sie das Gefühl hätten, der Gemeinschaft nicht weiter zur Last fallen zu dürfen.
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